Nackte Wahrheiten in der Fotokunst

Wissenschaftspark Gelsenkirchen

Ganz schön krass, was hier an der Wand hängt: "Postpornografie" nennt das Fotografen-Duo Michel Zahn und Kathrin Köppen seine Fotos, für die es unschuldige Figuren wie Mickey Maus oder Plastikpferdchen mit Sexspielzeugen zusammengebaut haben. Aber gerade weil die Fotos der Ausstellung "Youngstars" so frech und frisch sind, ist der Wissenschaftspark Gelsenkirchen einen Besuch wert.

GELSENKIRCHEN

, 26.01.2016, 11:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Fotoserie „Bloß“ von Sina Straube ist in Gelsenkirchen zu sehen. Foto: Straube

Die Fotoserie „Bloß“ von Sina Straube ist in Gelsenkirchen zu sehen. Foto: Straube

Über 90 Fotos von 34 Studierenden und Auszubildenden der Fotografie haben Peter Liedtke und Melanie Kemner vom Projekt "Bildsprachen" in den gläsernen Wandelgang gehängt.

Ein Wettbewerb zum Thema "Image" war vorausgegangen, bei sich über 90 junge Lichtbildner beworben hatten - und so drehen sich viele Fotoserien um Anmut und Aura, um Masken und Vermummungen. Viele der Abgebildeten blicken uns an und scheinen zu fragen: Bin ich schön?

Wer ist schöner?

"Bloß" heißt die Serie von Sina Straube (TU Dortmund), für die ganz normale Menschen in hautfarbener Unterwäsche posiert haben. Nur ein paar haben Modelmaße, aber alle sind auf ihre Weise schön und höchst individuell.

Ebenfalls anmutig hockt eine unbekleidete Asiatin auf einem Foto von Andreas Günther vor Gesichtern, die offensichtlich ein Computer generiert hat. Wer ist nun schöner?

Uraltes Mütterchen

Ziemlich aggressiv guckt der Kerl in die Kamera, den Andreas Hopfgarten fotografiert hat - au weia, es ist ein Wrestler. Uralt sind die Siebenbürger Sachsen, die Kilian Müller in Rumänien besucht hat - ein aussterbendes Volk. Nachdenklich und in sich gekehrt präsentiert ein Mütterchen die Reste einer Fahne. Faszinierend, wie unterschiedlich sich Menschen vor der Kamera inszenieren.

Dann gibt es noch Fotos, die das Thema "Image" mit Humor und Hintersinn angehen. Julia Weiser hat in ihrer Serie "Doppel M und Kaffeesahne" die Wahrzeichen der Messe Leipzig aus Verpackungen nachgebaut - ein Brüller. Deborah Flierl bringt alte Familienfotos auf zerfallende Wände, so als erzähle ein Haus von seinen einstigen Bewohnern. Technisch raffiniert und sehr nostalgisch.

Wie wirken wir nach außen?

Fotografieren können diese Jungen schon wie die Alten. Und die Frage, wie wir nach außen wirken, quält wohl Menschen jeder Generation.

Wissenschaftspark Gelsenkirchen: "Youngstars", bis 20.2.2016., Munscheidstraße 14, Mo-Fr 6- 19,Sa 7.30-17 Uhr, Eintritt frei. Den Preis für die beste Bildsprache hat Sina Weber von der TU Dortmund gewonnen. Ein Sonderpreis ging an Johanna-Maria Fritz von der Ostkreuzschule für Fotografie Berlin.

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