Neuer Blitzmarathon am 21. April in NRW

Jägers Aktionstag

Nach der Absage im Herbst hat Innenminister Ralf Jäger (SPD) seinen Lieblings-Aktionstag erneut auf die Tagesordnung gesetzt. Am 21. April gebe es wieder einen Blitzmarathon, kündigte Jäger am Montag in Düsseldorf an - allerdings etwas kürzer als bisher.

Düsseldorf

, 11.04.2016, 14:01 Uhr / Lesedauer: 2 min
Polizeioberkommissar Achim Jassin erklärt einem Autofahrer, dass er gerade zu schnell unterwegs war. Das Display der Laserpistole zeigt die Geschwindigkeit noch an - 65 km/h statt den erlaubten 50.

Polizeioberkommissar Achim Jassin erklärt einem Autofahrer, dass er gerade zu schnell unterwegs war. Das Display der Laserpistole zeigt die Geschwindigkeit noch an - 65 km/h statt den erlaubten 50.

Die Aktion soll zwischen sechs Uhr am Morgen und 22 Uhr in der Nacht ablaufen, kündigte NRW-Innenminister Ralf Jäger an. Die Vorläufer-Aktionen hatten bislang stets 24 Stunden gedauert. Zahlreiche Polizeidienststellen im Land haben ebenfalls ihrere Teilnahme bestätigt. Laut Ministerium beteiligen sich viele Bundesländer sowie mehr als 20 europäische Staaten an der Kontrollaktion.

Kritik von der Opposition

"Gezielt überprüfen wir die Streckenabschnitte, an denen besonders folgenschwere Unfälle passiert sind", erklärte Jäger. Die Folgen schwerer Verkehrsunfälle seien oft dramatisch und für die Opfer eine lebenslange Belastung. Die Standorte der Messstellen will die Polizei Anfang der kommenden Woche mitteilen. Die Opposition kritisiert den Aktionstag als Effekthascherei. Der Innenminister setze damit die falschen Schwerpunkte. 

"Innenminister Jäger hat die Zeichen der Zeit nicht erkannt. Gerade erst hat die Landesregierung Maßnahmen zur Entlastung der Polizei bei Verwaltungsaufgaben angekündigt. Nun wird deutlich: Jäger will die freiwerdenden Kräfte offenbar weiter für seine PR-Aktionen einsetzen, statt zur Bekämpfung der Kriminalität", erklärte der innenpolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion Marc Lürbke. Bereits jetzt seien die Polizeibeamten an der Grenze ihrer Belastbarkeit. Die Einsatzkräfte würden mehr als 4 Millionen Überstunden vor sich herschieben.

Absage wegen Überlastung

Der zuletzt im Herbst geplante Blitzmarathon war aufgrund der hohen Arbeitsbelastung der Polizei in NRW abgesagt worden. "Mit Einsätzen bei Fußballspielen, Demonstrationen oder bei Flüchtlingsheimen haben wir derzeit andere Aufgaben im Fokus. Daher mussten wir umplanen", sagte ein Sprecher des Innenministeriums Ende September 2015. 

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) forderte damals, auch die für April 2016 geplante Jagd auf Temposünder abzusagen. Sie ging jedoch davon aus, dass sich die Lage bei den Flüchtlingen bis dahin nicht entspannen würde. 

"Mehr Verkehrssicherheit"

Die Folgen schwerer Verkehrsunfälle seien vor allem für die Opfer und deren Angehörige einschneidend, erklärte der Innenminister am Montag. „Dabei können nur ein paar Kilometer pro Stunde den Unterschied zwischen Leben und Tod bedeuten“, so Jäger. Der europaweite Blitz-Marathon am 21. April sorge nachweislich für mehr Verkehrssicherheit in NRW, betonte der Minister und verweis auf eine Untersuchung der RWTH Aachen. Demnach ist die Wirksamkeit der Kontrollen zwischen sechs Uhr am Morgen und 22 Uhr in der Nacht am höchsten. Zudem wirke die Blitzer-Aktion zwei Wochen lang nach, so das Ergebnis der RWTH Aachen, die die Studie im Auftrag des Innenministeriums gefertigt hatten. 

Im Auftrag des NRW-Innenministeriums untersuchten Wissenschaftler an Messstellen in Köln das Verhalten von Autofahrern vor, während und nach dem ersten europaweiten Blitz-Marathon im vergangenen April. Demnach sank die Geschwindigkeit der Autofahrer in den ersten beiden Wochen nach den Kontrollaktionen im Durchschnitt um bis zu drei Kilometern pro Stunde. 

Unangepasste Fahrweise oder zu schnelles Fahren sind die häufigsten Ursachen für schwere Verkehrsunfälle. Im vergangenen Jahr hat die Polizei in NRW über 2,2 Millionen Temposünder ermittelt.

Mit Material von dpa

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