Neuer Intendant möchte Dortmunder Oper leuchten lassen

Heribert Germeshausen

Zur Spielzeit 2018/19 wird Heribert Germeshausen neuer Intendant der Dortmunder Oper. Den Spielplan für seine erste Saison und das Konzept für alle sechs Spielzeiten, die sein Vertrag umfasst, hat er schon fertig und viele neue Pläne für Dortmund und die Region. Julia Gaß sprach mit dem 46-Jährigen, der noch Intendant der Oper Heidelberg ist.

DORTMUND

, 30.05.2017, 17:30 Uhr / Lesedauer: 3 min
Heribert Germeshausen wird zur Spielzeit 2018/19 Opernintendant am Theater Dortmund.

Heribert Germeshausen wird zur Spielzeit 2018/19 Opernintendant am Theater Dortmund.

Sie lieben Mozart, zeitgenössische Musik und Barockopern. In Heidelberg hat sich das in Ihrem Spielplan widergespiegelt. In Dortmund auch? Heidelberg ist eine kleine Universitätsstadt mit einem sehr starken Bildungsbürgertum. In Dortmund gibt es natürlich auch ein Bildungsbürgertum, aber die Stadt ist auch sehr geprägt von Migration und Bürgern, die mit Musiktheater ein bisschen fremdeln. Wir müssen als Theater in den Schulen und bei den 30-bis 40-Jährigen begeistern. Mozart ist eine meiner ganz großen Lieben, danach kommen Richard Wagner und Richard Strauss.

Wir hatten lange keinen "Ring" in Dortmund. Dem kann ich nicht widersprechen. Wagner wird in meinen Spielplänen eine Rolle spielen. Aber auch Verdi, Puccini und Komponisten des 19. Jahrhunderts. Ich habe die sechs Spielzeiten, in denen mein Vertrag läuft, schon konzipiert. Sie haben mehrere große Bögen. Schwerpunkt ist die romantische Oper des 19. Jahrhunderts.

In der nächsten Saison ist der Opernspielplan mit fünf Neuproduktionen ausgedünnt. Planen Sie mehr Premieren? Ja, es gibt acht große Premieren plus ein großes partizipatives Projekt zur Spielzeiteröffnung, bei dem wir die Dortmunder Bevölkerung auf die Straße holen möchten. Das Konzept mit fünf großen Opern, einer Operette, einem Musical und dem partizipativen Projekt will ich beibehalten. Und es wird auch eine Kooperation mit dem Ballett geben, schon in meiner ersten Spielzeit.

Jens-Daniel Herzog nimmt sein Dramaturgenteam wahrscheinlich mit nach Nürnberg. Bringen Sie Ihr Leitungsteam aus Heidelberg mit? Ja, es wird einen Zug nach Süden geben und einen nach Norden. Und ich will die Theaterpädagogik stärken.

Wenn man Herrn Herzog kennt, kann man sich nicht vorstellen, dass er Dortmund verlässt, ohne Emily Newton und andere Sänger mitzunehmen. Sie sitzen als Jury-Mitglied von Gesangs-Wettbewerben an der Quelle. Haben Sie schon Sänger engagiert? Nein. Es wird eine Mischung geben: einige Sänger werden bleiben, und es gibt neue Gesichter. Das Ensemble bleibt das Herz der Oper, aber ich arbeite auch mit Gästen.

Sie sind kein regieführender Intendant. Was sind Ihre Aufgaben? Ein Intendant ist ja nicht der Chefregisseur des Hauses. Aufgabe des Intendanten ist es, dem Haus eine künstlerische Linie zu geben: programmatische Linien zu konzipieren und Sänger zu engagieren. Außerdem natürlich, das Haus in der Stadtgesellschaft zu verankern.

Wird es so etwas wie einen Hausregisseur geben? Nein, aber regelmäßig wiederkehrende Regisseure. Mit einem Hausregisseur zu arbeiten, ist ein Risiko: Wenn ein Regisseur gut ist, lädt man ihn ohnehin wieder ein, und wenn er schlecht ist, nutzt der Hausregisseur nichts. Ziel ist, vielfältige ästhetische Handschriften, aber gleichzeitig eine ästhetische Linie zu zeigen. Ich strebe die Balance zwischen Vielfalt und Wiedererkennbarkeit an.

Sie sind mit Stefan Herheim befreundet. Können Sie sich vorstellen, eine seiner Inszenierungen in Dortmund nachzuspielen? Ich glaube nicht, dass es Sinn macht, Inszenierungen nachzuspielen. Wenn man einen großen Namen hat, sollte er auch die Premiere in der Stadt machen. Es ist wichtig für die Identität eines Hauses, das Recht der ersten Nacht zu haben. Aber es werden sehr prominente Regisseure in Dortmund arbeiten.

Lassen Sie uns über Regietheater sprechen. Für viele Opernbesucher ein Reizwort. Es gibt eine begrenzte Anzahl von Meisterwerken, etwa 50 Opern. Die Impulse, die früher die Komponisten gesetzt haben, kommen nun von den Regisseuren. Wenn man sich heute den Chéreau-Ring ansieht, würde man sagen, das ist eine ganz konventionelle Aufführung und versteht nicht, warum sie 1976 zu Bombendrohungen geführt hat. Entscheidend, wenn man Stücke neu interpretiert, ist, dies mit einer großen Ernsthaftigkeit zu tun. Barrie Kosky hat das in der Komischen Oper Berlin geschafft, und das würde ich auch als mein Vorbild sehen.

Sie haben Jura und Betriebswirtschaft studiert . Ein ungewöhnlicher Weg für einen Opernintendanten, oder? Eigentlich nicht. Ich hab mich schon in der Grundschule für die Oper begeistert. Viele große Intendanten haben Jura studiert, wie früher auch viele große Dichter. Auch Gerard Mortier war Jurist. Und mein Vorbild.

Sie waren in Heidelberg für den "Faust" nominiert. Ist das auch in Dortmund Ihr Ziel? Es gibt verschiedene Parameter für Erfolg: eine Faust-Preis-Nominierung oder tolle Platzierungen in den Jahresumfragen von Opernwelt und Deutsche Bühne. Irgendetwas davon sollte zeitnah klappen - verbunden mit entsprechendem Publikumszuspruch.

Was ist Ihr Eindruck vom Dortmunder Publikum? Ich habe mir seit 2005 regelmäßig in Dortmund Opern angesehen. Ich habe das Publikum als sehr offen, spontan und begeisterungsfähig wahrgenommen. Bei einer in ästhetischer Schönheit erstickenden Barockoper wäre ich nicht sicher, ob sie hier ankommt. Aktion auf der Bühne muss schon vorhanden sein.

Sie wollen aus der Kinderoper die "Ruhroper" entwickeln. "Ruhroper 21" war ein Schlagwort, das betrifft aber nicht nur die Kinder- und Jugendoper, sondern ist ein Leitbild, das ich anstrebe. Wir müssen aufräumen mit dem Klischee, dass Oper eine elitäre Kunstform für wohlhabende, ältere Menschen ist und beweisen, dass Oper etwas für alle ist. Mit "Ruhroper" haben wir schon den Anspruch, weit über Dortmunds Grenzen hinaus zu glänzen. Die Stadt ist die Herzkammer des Ruhrgebiets, deshalb müssen wir groß denken.

Das Konzerthaus Dortmund hat eine eigene Abo-Reihe mit konzertanter Oper. Ist das Konkurrenz oder eine Ergänzung Ihres Spielplans? Es hängt davon ab, wie es terminiert ist. Ein "Rheingold" nach einer Kinderopernpremiere ist eine Bereicherung, stünden wir in der Oper vor einer großen Wagner-Premiere, wäre das definitiv keine Bereicherung.

Was wünschen Sie sich von Dortmund? Vom Publikum Offenheit und Vertrauen und dass meine sechs Jahre in Dortmund eine große Zeit für die Dortmunder Oper werden.

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