Neuer Risikofaktor: Übergewichtige Menschen sind anfälliger für das Coronavirus

Coronavirus

Wer übergewichtig ist, ist gleichzeitig anfälliger für das Coronavirus. Mehrere Studien sind zu dem Ergebnis gekommen, dass das Gewicht maßgebend für den Infektionsverlauf ist.

Berlin

11.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Unser Gewicht beeinflusst, wie anfällig wir für das Coronavirus sind.

Unser Gewicht beeinflusst, wie anfällig wir für das Coronavirus sind. © picture alliance/dpa

Rund 16 Prozent der Deutschen sind übergewichtig – das geht aus dem deutschen Länderprofil des „State of Health in the EU“ aus 2019 hervor. Risikofaktoren wie Fettleibigkeit könnten Betroffenen auch in der Corona-Krise zum Verhängnis werden, wie neueste Studien beweisen. Demnach sind übergewichtige Menschen anfälliger für den Sars-CoV-2-Erreger als Menschen mit Normalgewicht.

Dass ein hoher Körperfettanteil das Immunsystem beeinflussen und das Risiko für Lungenentzündungen etwa erhöhen kann, ist schon länger bekannt. Berechnet wird der Körperfettanteil mithilfe des Body-Mass-Index (BMI): Körpergewicht/(Körpergröße)². Wer als Ergebnis einen Wert zwischen 25 und 29,9 kg/m² erhält, gilt als übergewichtig. Von Adipositas – also der Fettleibigkeit – wird ab einem Wert von 30 kg/m² gesprochen.

Schweregrad der Erkrankung nimmt mit BMI zu

Welche Rolle der BMI im Fall der Corona-Erkrankung spielt, zeigte sich bei einer Studie in Frankreich. Dort werteten Forscher medizinische Daten von 124 Corona-Patienten aus, die vom 27. Februar bis 5. April 2020 auf der Intensivstation des Universitätsklinikums Lille behandelt wurden. Sie untersuchten den Zusammenhang zwischen dem BMI und der Notwendigkeit einer invasiven mechanischen Beatmung.

„Der Schweregrad der Erkrankung nahm mit dem BMI zu“, heißt es in der Studie. Von den 124 Patienten mussten 85 beatmet werden. 56 Prozent der Erkrankten wiesen einen BMI von mehr als 30 kg/m² auf. Menschen mit starker Adipositas und einem BMI von mehr als 35 kg/m² machten dabei einen Anteil von 38 Prozent aus. „Fettleibigkeit ist ein Risikofaktor für den Schweregrad von Sars-CoV-2“, schlussfolgerten die Forscher.

Übergewichtige Patienten überleben Infektion seltener

Diese Annahme bestätigt auch eine Studie aus China. Wissenschaftler um YD Peng haben 112 Corona-Patienten analysiert, die zwischen dem 20. Januar und 15. Februar 2020 in das Union Hospital in Wuhan eingeliefert worden waren.

Von den Patienten, die an den Folgen der Corona-Erkrankung starben, hatten 88,2 Prozent einen BMI von mehr als 25 kg/m². 18,9 Prozent der übergewichtigen Patienten überlebten dagegen die Infektion. „Ein höherer BMI tritt häufiger bei kritischen Patienten und Nichtüberlebenden auf“, stellten die Wissenschaftler in ihrer Studie heraus.

Fettgewebe möglicherweise für Sars-CoV-2 anfällig

Doch warum sind übergewichtige Menschen anfälliger für das Coronavirus? Eine Erklärung liefern Forscher vom Generalkrankenhaus in Peking in ihrer Preprint-Studie: „Wir stellten fest, dass die ACE2-Expression im Fettgewebe höher war als im Lungengewebe, was darauf hinwies, dass das Fettgewebe möglicherweise auch für Sars-CoV-2 anfällig ist.“

ACE2 ist ein Rezeptor auf den menschlichen Zellen, an den die Proteine des Coronavirus binden. So kann die virale RNA in die Körperzellen eindringen und sich darin vervielfältigen. Die ACE2-Rezeptoren befinden sich nach Erkenntnissen der Forscher auch auf Fettzellen und deren Vorläuferzellen. Menschen mit mehr Fettgewebe könnten somit mehr Angriffsfläche für die Viren bieten und deshalb anfälliger sein.

RND

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