Neues Buch: Eckenga zum Klimawandel

DORTMUND Klimawandel, Billiglohn und Massentierhaltung – wichtige Themen, ganz klar. Aber ein Gedichtband? Ist Lyrik in der Lage, auf Tagesschau-Themen angemessen zu reagieren? Was, bitteschön, reimt sich auf „Wärmedämmung“ und „Energiesparbirne“? Wer Fritz Eckenga kennt, weiß: Natürlich kann Lyrik das.

von Von Katrin Pinetzki

, 07.09.2007, 16:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eckengas Buchcover.

Eckengas Buchcover.

Mit dem 2006 verstorbenen Robert Gernhardt wurde der Dortmunder Dichter, Autor und Kabarettist schon oft verglichen. Wer seinen neuen Gedichtband gelesen hat, kann sogar behaupten: Eckenga ist Gernhardts würdiger Wiedergänger. Titel der Neuerscheinung: „Prima ist der Klimawandel auch für den Gemüsehandel“.

Schon auf den ersten drei Seiten wird die erste Riege deutscher Geistesgrößen bemüht: Goethe und Schiller, Hölderin und Heine müssen herhalten, um des Dortmunders Dichtkunst zu legitimieren. Schließlich sei von diesen hohen Herren keine Zeile über die drängenden Themen der Postmoderne geschrieben worden. Die Welt ist nicht mehr ganz dicht? Dann her mit der Dichtung!

Erstmals auch Fotos

Erstmals druckt Eckenga auch Fotos zu seinen Texten, meist schäbig-trostlose Alltagsszenen, denen Eckenga Poesie entlockt. Das erinnert an die skurrilen Fotosammlungen eines Max Goldt, doch Eckenga stellt die Fotos nicht einfach dazu. Er benutzt sie als Inspirationsquelle.

So wird das angebissene, weggeworfene Brötchen in der Ode „Dem zwölften Teigling“ gewürdigt: „Importierte Weißmehlsklaven, / früh verschleppt aus Billigland, / aufgebacken in Maschinen, / rasch belegt von Leichtlohnhand.“ Zur Aufnahme einer Umkleidekabine dichtet er die „Blindverkostung“; eine mit feiner Nase nachempfundene Beschreibung der Gerüche: Muskat und Mobilat, Aprikose und Unterhose.

Energiesparbirne - Dichterhirne

Um die Anfangs-Frage zu beantworten: Auf „Energiesparbirne“ reimt Eckenga „Dichterhirne“, auf „Wärmedämmung“ „Herzbeklemmung“. Hoffen wir, dass die drittletzte Strophe von „Klima-Dichtung“ nicht zutrifft: „Eckenga wurde März Null Sieben -/ mit Verdacht auf Dichtungsriss - / amtsärztlich kaputt geschrieben. / Dann verlor er wohl den Biss“. 

Fritz Eckenga: „Prima ist der Klimawandel auch für den Gemüsehandel“, Verlag Antje Kunstmann, ISBN 978-388897-487-8, 12,90 €. » www.eckenga.de

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