Neues Museum in Herdecke: Ein ganz besonderer Dachboden

HERDECKE Den Dachboden ausbauen und endlich vernünftig nutzen - jeder Häuslebauer denkt darüber nach. Bei der Dörken-Stiftung in Herdecke nahm dieses Nachdenken jedoch schnell größere Dimensionen an: Sie baut den wunderschönen, riesigen Dachboden eines Industriedenkmals zu einem Museum für moderne Kunst aus. Im Kulturhauptstadtjahr 2010 soll Eröffnung sein.

von Von Bettina Jäger

, 06.03.2009, 18:26 Uhr / Lesedauer: 2 min

Die neue Attraktion erwächst ganz ohne öffentliche Gelder aus dem Engagement der Werner Richard - Dr. Carl Dörken Stiftung. Werner Richard hatte sie 1987 gegründet. Sie sollte an seinen Schwiegervater Carl Dörken erinnern. Der hatte gemeinsam mit seinem Bruder Ewald 1892 die Firma Dörken in Herdecke, einer idyllischen Nachbarstadt Dortmunds, gegründet. Einen Konzertsaal hat die Stiftung hier bereits 2001 gebaut. Und jetzt sogar ein Museum mit dem Titel "Farbe als Farbe"?Großes Projekt für Stiftung

"Das ist für uns ein großes Projekt", sagt Jochen Plaßmann vom Vorstand der Stiftung. 150 Gemälde im Wert von einer Million Euro hat die Stiftung im Lauf der Jahre erworben - immer zum Thema "Phänomen Farbe", denn die Firma Dörken war mit Farben und Lacken ("Eburit") groß geworden. Zur Sammlung gehören Werke von Vlassis Caniaris, Otto Piene, Raimer Jochims. Schätze, die größtenteils in den Depots des Dortmunder Museums am Ostwall oder des Osthaus-Museums in Hagen versauern. Zwei Werke (Wert 40 000 ) von Franz Gertsch wurden in Hagen unrettbar beschädigt.Toller Blick über den Harkortsee

Seit 2008 legt die Stiftung nun Geld für ein Museum zurück. Gleichzeitig rückte der Dachboden auf dem Gelände der Ewald Dörken AG an der Wetterstraße in den Blick: 35 Meter lang, 410 Quadratmeter groß und ein prachtvolles Tragwerk aus den 20er Jahren, als hier noch Decken für Eisenbahnwaggons getrocknet wurden. Karl Dörken, Urenkel des Firmengründers, zeigt die tolle Aussicht über den Harkortsee. Noch tropft der Regen durchs Dach. Aber ahnen lässt sich schon, wie schön das mal werden wird.

Zur Kunst schweben

Rund eine Million Euro kostet der Umbau, 750 000 Euro trägt die Stiftung. Das neue Dach zahlt die Firma Dörken, die in den darunter liegenden Etagen produziert. Nach Plänen der Architekten Frielinghaus und Schüren aus Witten wird das Museum zu betreten sein, ohne dass der Besucher über das Firmengelände gehen muss. Immer am Wochenende wird geöffnet sein. Im gläsernen Aufzug schwebt dann der Gast zur Kunst hinauf. Und dass Besucher kommen, dafür wird der Ruhrtal-Radweg schon sorgen. Er ist nur 150 Meter entfernt.