Neues Strafmaß: Richter werten „Sex-Unfall“ als legitime Verteidigung

Landgericht Bielefeld

Ein 48-Jähriger hat in Ostwestfalen seine Frau erdrosselt und im Totschlagsprozess erklärt, es sei ein Sex-Unfall gewesen. Dafür gaben ihm die Richter eine noch höhere Strafe - zu unrecht.

Bielefeld

17.12.2019, 16:41 Uhr / Lesedauer: 1 min
Neues Strafmaß: Richter werten „Sex-Unfall“ als legitime Verteidigung

Das Landgericht Bielefeld muss neu über die Strafe in einen Totschlagsprozess verhandeln. © Friso Gentsch/dpa

Der Angeklagte in einem Totschlagsprozess hatte seine Tat als tödlichen Sex-Unfall dargestellt, was ihm das Gericht negativ auslegte. Nun muss über die Strafe erneut verhandelt werden.

Das Landgericht Bielefeld muss neu über die Strafe in einen Totschlagsprozess verhandeln. Der Angeklagte hatte die Tat als tödlichen Sex-Unfall dargestellt - was ihm das Gericht negativ ausgelegt hatte.

Es ist zwar aus Sicht des Bundesgerichtshofs (BGH) fehlerfrei nachgewiesen, dass der Angeklagte seine Ehefrau erdrosselt hat, wie aus einem am Dienstag veröffentlichten Beschluss hervorgeht. Er war im Juni zu zehn Jahren Freiheitsstrafe verurteilt worden.

Aussage über Sexualpraktiken doch nicht strafschärfend

Die Richter gingen davon aus, dass er die 34-Jährige 2017 nach einer angedrohten Trennung erwürgt hatte, weil er Angst hatte, das gemeinsame Kind nicht mehr sehen zu können. Anders als die Richter in Bielefeld werteten die Revisionsrichter die Aussage des Angeklagten zu den Sexualpraktiken des Paares aber nicht strafschärfend.

Der 48-Jährige hatte im Prozess ausgesagt, dass seine Frau beim Geschlechtsverkehr gedrosselt werden wollte. Dies legten die Richter in Bielefeld dem Angeklagten bei der Festlegung der Höhe der Strafe negativ aus: Durch die Unterstellung abseitiger sexueller Interessen habe er sein Opfer in besonderer Weise verächtlich gemacht.

Landgericht muss erneut über Strafhöhe entscheiden

Diese Begründung hat der BGH als Wertungsfehler zurückgewiesen. Die Behauptung sei zulässiger Teil der Verteidigung des Angeklagten, der damit den Vorwurf entkräften wollte, vorsätzlich gehandelt zu haben.

Nun muss eine neue Kammer am Landgericht abermals über die Strafhöhe entscheiden. Da die Feststellungen zum Geschehen jedoch vom BGH nicht gekippt wurden, muss es keine neue Beweisaufnahme geben. Die „Bild“ hatte zuvor berichtet.

dpa

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