Niki de Saint Phalle - die farbenfrohe Feministin

Ausstellung im Dortmunder U

Ohne die "Nanas" geht es nicht. Die riesigen, pfundigen Frauen in fröhlichen Farben sind der Höhepunkt der Ausstellung "Ich bin eine Kämpferin: Frauenbilder der Niki de Saint Phalle" im Museum Ostwall im Dortmunder U-Turm. Aber die Schau zeichnet ein noch viel differenzierteres Bild der berühmten Künstlerin.

DORTMUND

, 08.12.2016, 19:17 Uhr / Lesedauer: 2 min
"Die Beleuchtung" heißt dieses Werk, bei dem Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely zusammengearbeitet hatten. Es bewegt sich auf Knopfdruck, macht danach aber immer eine Pause von fünf Minuten.

"Die Beleuchtung" heißt dieses Werk, bei dem Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely zusammengearbeitet hatten. Es bewegt sich auf Knopfdruck, macht danach aber immer eine Pause von fünf Minuten.

Dürfen wir vorstellen: Dolores. Die über fünf Meter hohe Dame ist der Hingucker der Ausstellung. Sie hat geblümte Brüste, pechschwarze Haut, sehr blonde Locken und eine Handtasche, die aussieht wie ein Werkzeugkasten. Was für ein Prachtweib! In sieben Einzelteilen ist sie aus Hannover nach Dortmund gereist, wo sie jetzt auf der sechsten Etage des U-Turms majestätisch über den letzten der zehn Ausstellungsäle wacht.

Die Nana als Vision der Weiblichkeit

"Die Nanas sind eine Vision von Weiblichkeit, Sexualität und Lebensfreude", sagt Regina Selter, kommissarische Leiterin des Museums Ostwall. Sie hat eineinhalb Arbeitsjahre in diese super-sinnliche, hochinteressante Schau auf 1000 Quadratmetern investiert. Doch auch sie habe erst lernen müssen, so Selter, wie komplex das Werk Nikis sei. So beweisen schon frühe Assemblagen, wie mühelos die Autodidaktin mit ihren Künstlerfreunden wie Daniel Spoerri Schritt halten konnte, wie ausdrucksvoll die Künstlerin Materialien zu kombinieren wusste. So ergeben eine Waffe, ein Glasauge und eine Rasierklinge die "Collage des Todes" (1960).

Der Mann als Zielscheibe

Niki erfand "Schießbilder", auf die sie mit der Waffe anlegte, oder das Bild eines Liebhabers mit einer Zielscheibe als Kopf. "Darauf durften die Ausstellungsbesucher damals Dartpfeile werfen", erzählt Ulrich Krempel, prominenter Gastkurator und ehemaliger Direktor des Sprengel-Museum in Hannover, das die meisten der 120 Leihgaben geschickt hat.

FOTOSTRECKE
Bildergalerie

Ausstellung Niki de Saint Phalle

Die Ausstellung "Ich bin eine Kämpferin: Frauenbilder der Niki de Saint Phalle" ist sinnlich und faszinierend. Die rund 120 Werke sind bis April 2017 im Dortmunder U-Turm zu sehen. Der Weg lohnt sich.
08.12.2016
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Die Skulptur "Dolores" (1966-1995) ist im wahrsten Sinn des Wortes der größte Hingucker der Schau - sie ist fünf Meter hoch und besteht aus sieben Teilen. © Foto: Menne
Das ist "Dolores" noch einmal aus der Nähe. © Foto: Menne
Witzig sieht auch die "Schwarze Rosy" aus, eine Arbeit aus dem Jahr 1965.© Foto: Menne
Zur Eröffnung der Schau kam Bloum Cardenas, die Enkelin von Niki de Saint Phalle. Unser Foto zeigt die sympathische 45-Jährige, die selbst Künstlerin ist, mit dem Gastkurator Ulrich Krempel. © Foto: Menne
Bloum Cardenas vor dem Foto ihrer ihrer Großmutter, das am Anfang der Ausstellung hängt. © Foto: Menne
Eine der ganz frühen Arbeiten von Niki de Saint Phalle aus dem Jahr 1961. Einer der vielen Titel des Bildes lautet "Porträt meines Geliebten". Die Besucher der damaligen Ausstellung durften mit Dart-Pfeilen auf die Zielscheibe werfen.© Foto: Menne
Viele der Exponaten entsprechen nicht dem Klischee einer farbenfrohen Künstlerin, sind aber dennoch faszinierend wie diese "weiße Pflanze". © Foto: Menne
Besonders gelungen ist die Gestaltung des Oberlichtsaales, in dem auch "Die Beleuchtung" von Niki de Saint Phalle und Jean Tinguely steht. © Foto: Menne
Hier hängt auch diese Grafik, die die Figuren aus dem berühmten italienischen Tarot-Garten der Künstlerin zeigt. Diese Garten ist tatsächlich eine eigene Reise wert, so schön ist er. © Foto: Menne
Am Ende der Schau steht diese riesige Skulptur, die Nikis eigene Mutter bei der Beerdigung des Vaters zeigt. Interpretieren muss sie jeder selbst. © Foto: Menne
Zum ersten Mal probiert es das Museum mit einem kleinen Shop. Dort gibt es zum Beispiel Tassen und Teller mit Niki-Motiven. © Foto: Jäger

Die Auseinandersetzung mit der weiblichen Identität wurde Nikis Lebensthema, das überraschend viele dunkle Seiten hat. Im "Altar der Frauen" (1964) stürzen Flugzeug hinab. Eine Mutter frisst ihre Kinder ("Bon appétit", 1980) - der Widerschein von Nikis katastrophaler Kindheit.

Ein emanzipiertes Leben

Trotzdem oder gerade deshalb hat Niki de Saint Phalle - die Filme in der Schau zeigen eine bildschöne Frau - emanzipiert und selbstbewusst gelebt. Das Werk "Die Beleuchtung" (1988), das auf Knopfdruck zu kippen droht, erinnert an die kreative Zusammenarbeit mit ihrem Mann Jean Tinguely. Es ist tröstlich, wie sehr der letzte Saal Nikis lebenslustiges Werk noch einmal feiert. Feminismus kann eben auch knallbunt und witzig sein.

Museum Ostwall im , Leonie-Reygers-Terrasse,  mit dem Titel „Ich bin eine Kämpferin: Frauenbilder der Niki de Saint Phalle“ läuft vom 10.12.2016-23.4.2017. Öffnungszeiten sind Di/Mi 11-18 Uhr, Do/Fr 11-20 Uhr, Sa/So 11-18 Uhr. Eröffnung am 9.12.2016 um 19 Uhr. An Feiertagen geöffnet von 11-18 Uhr, geschlossen am 24.12., 25.12., 31.12.2016, 1.1.2017. Eintritt 9 (ermäßigt 5) Euro, Kinder bis zum vollendeten 6. Lebensjahr haben freien Eintritt. Der Katalog für 19,90 Euro ist sehr empfehlenswert. Es gibt innerhalb der Schau einen kleinen Shop.

 

 

 

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