NRW: Digitale Plattform für Schulen soll Lernen auf Distanz erleichtern

Bildung

Die Corona-Krise treibt das digitale Lernen voran. Eine neue Plattform für alle Schulen in Nordrhein-Westfalen funktioniert fast wie ein „virtuelles Klassenzimmer“.

Düsseldorf

11.06.2020, 05:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Digitale Lernhilfen sollen im Unterricht immer mehr zur Geltung kommen.

Digitale Lernhilfen sollen im Unterricht immer mehr zur Geltung kommen. © picture alliance/dpa

Alle Schulen in Nordrhein-Westfalen können ab sofort eine neue digitale Lernplattform für den Unterricht auf Distanz nutzen. Die NRW-Landesregierung habe das rechtssichere und kostenfreie Lernmanagementsystem aus der „Logineo“-Familie angesichts der Corona-Krise schneller als geplant fertig stellen können, teilte Schulministerin Yvonne Gebauer (FDP) mit. Dies sei ein „großer Qualitätssprung“ für das digitale Lernen und das Lernen auf Distanz.

Die neue Plattform „Logineo NRW LMS“ basiert auf der gängigen Plattform „Moodle“. Sie erweitert die webbasierte Arbeitsplattform „Logineo“, die an bisher rund 825 Schulen in NRW eingesetzt wird. LMS könne aber unabhängig vom „Logineo“-Hauptsystem beantragt und genutzt werden, betonte Gebauer. Die Landesregierung habe ein Interesse daran, dass künftig alle Schulen auf die neue Plattform LMS setzten. Die Nutzung sei aber freiwillig.

Datenschutz gesichert

Zum Ende der Sommerferien könnten theoretisch alle Schulen Zugriff auf das neue System haben. Erste Schulen meldeten sich bereits am Mittwoch im Ministerium, nachdem sie in einer Schulmail informiert worden waren. Ähnlich wie bei „Moodle“ können Lehrkräfte auf der neuen Plattform Unterrichtsmaterial wie Texte, Bilder und Videos bereitstellen, mit ihren Schülern kommunizieren und chatten. Sie können auch gesprochene Rückmeldungen zum Lernstand geben. Schüler können ihre Hausaufgaben auf der Plattform hochladen. Der Datenschutz sei gesichert, sagte Gebauer.

Für die Nutzung sei weder ein Download noch die Installation spezieller Software nötig. Erklärvideos und Medienberater sollen den Schulen bei der Einführung der neuen Lernplattform helfen. Eine Überlastung von „Logineo LMS“, wenn alle Schulen und Hunderttausende Schüler in NRW auf die Plattform zugreifen, ist nach Einschätzung der IT-Experten des Schulministeriums nicht zu befürchten. Bei „Moodle“ war es infolge der starken Nutzung in der Corona-Krise mehrmals zu Serverausfällen gekommen.

Plattform speziell für NRW

Geeignet sei die neue Plattform für Schüler ab der 3. Klasse, hieß es weiter. Zusätzlich arbeitet das Schulministerium an einem Messengerdienst für Schulen sowie Lösungen für Videokonferenzen. Dabei gehe es nicht nur um das Lernen auf Distanz in der Corona-Krise, sagte Gebauer. Die Schulen in NRW sollten langfristig fit für digitale Medien gemacht werden. Das Hauptsystem „Logineo“ dient weiterhin als reine Arbeitsplattform. „Logineo“ ging nach mehrjähriger Verzögerung Ende 2019 an den Start.

Pro Monat werden derzeit rund 140 Schulen an „Logineo“ angebunden. Lehrer bekommen über dieses System rechtssichere dienstliche Mail-Adressen und können in gemeinsamen elektronischen Kalendern Termine organisieren. In einem geschützten Cloud-Bereich kann Unterrichtsmaterial ausgetauscht werden. Notenlisten können in einem besonders geschützten „Datensafe“ abgelegt werden. Bis 2022 sollen alle interessierten Schulen an die Arbeitsplattform angeschlossen werden.

Die Lernplattform LMS wurde speziell für NRW entwickelt. Sollten andere Bundesländer Interesse an der Plattform haben, „können wir gern ins Gespräch kommen“, sagte Gebauer. Der Lehrerverband VBE begrüßte zwar die Grundidee und die Möglichkeiten des neuen Systems. „Aber all das kommt jetzt reichlich spät“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau. Der Verband hoffe dennoch, dass sich die Plattform durchsetzen werde. „Eine einheitliche, kostenlose und datenschutzkonforme Plattform ist ein richtiger und wichtiger Schritt.“ Um alle Schüler erreichen zu können, müsse es aber auch ausreichend digitale Endgeräte geben.

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dpa

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