Nur der Kopf ragt aus dem Wohlstandsmüll

Theater an der Ruhr zeigt "Economania"

Luigi Pirandellos "Riesen vom Berge" und Protagonisten aus Shakespeares "Sommernachtstraum" treffen im Stück "Economania" des 35-jährigen türkischen Autors Yigit Sertdemir aufeinander. Die Koproduktion des Theaters an der Ruhr mit dem freien Theater "Kumbaraci50" erlebte nach der Uraufführung im September in Istanbul am Freitag in Mülheim seine Deutschlandpremiere.

MÜLHEIM

, 19.11.2014, 15:39 Uhr / Lesedauer: 1 min
Gemeinsam im Müll: Titania (Petra von der Beek, l.) und "Die Fruchtbare" (Asli Can Kortan).

Gemeinsam im Müll: Titania (Petra von der Beek, l.) und "Die Fruchtbare" (Asli Can Kortan).

Spieltermine erst wieder im Februar 2015; Karten: Tel. (02 08) 599 01 88.

„Es ist sehr spät geworden, dass es zu früh ist für alles“, sagt der „Gedächtnissklave“ (eindrucksvoller Zweisprachler und wichtigster Übersetzer: Recai Hallac), von dem nur der Kopf aus der Wohlstandsmüllkippe herausragt, und der trotzdem wie selig vor sich hingrinst. Die fünf menschlichen Kreaturen um ihn herum sind derweil damit beschäftigt, Abfälle in sich hineinzustopfen und mehr rülpsende Laute als Worte auszustoßen. Es ist eine endzeitliche Szenerie, die da in „Economania“ entworfen und von Gerhard Benz (Bühne) und Roberto Ciulli (Regie) vorgeführt wird. Bedingt wird sie durch unsichtbar bleibende, aber bedrohlich polternde Riesen. Wie schon bei Pirandello stehen sie für gewalttätig-totalitäre Machthaber.

Überraschend tauchen dann in weiße Barockkostüme gewandete Schauspieler auf und proben die Szene mit den Handwerkern samt Feenkönigin Titania aus dem „Sommernachtstraum“. Sie schaffen es nicht nur, mit ihrem Spiel in den Müllbewohnern die Sprache und die Lebenslust neu zu wecken, sondern sie sind auch mutig genug, die Riesen selbst herauszufordern. Ob und wie den Künstlern das gelingt, lässt das 70-minütige moderne Märchen offen.

Spieltermine erst wieder im Februar 2015; Karten: Tel. (02 08) 599 01 88.

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