Obdachloser in Essen erwürgt: Freund ruft den Notarzt – und verrät sich selbst

mlzLandgericht Essen

Ein Obdachloser, der unter der Laderampe eines Aldi-Marktes in Essen lebte, ist im April tot gefunden worden. Ein Freund rief den Notarzt. Doch er hatte zuvor seinen Freund selbst erwürgt.

Essen

, 11.12.2019, 14:54 Uhr / Lesedauer: 1 min

Das Schicksal von Andreas H. ist traurig. Er war Schwerstalkoholiker, lebte unter der Laderampe eines verlassenen Aldi-Marktes in Essen. Dann war er plötzlich tot. Erwürgt. Ein Freund hatte den Notarzt alarmiert. Später geriet er jedoch selbst unter Verdacht. Hatte er den Obdachlosen umgebracht?

Der 46-jährige Angeklagte hatte genau das bis zuletzt bestritten. Doch die Richter am Essener Schwurgericht haben keine Zweifel. Sie verurteilten den Mann aus Essen am Mittwoch wegen Totschlags zu sechseinhalb Jahren Haft. „Es kommt niemand anders in Betracht“, sagte Richter Jörg Schmitt bei der Urteilbegründung. Außerdem gebe es eine Art Geständnis – wenn auch nicht im Prozess.

„Ich habe gerade einen umgebracht“

Der Angeklagte war in der Nacht auf den 9. April 2019 noch einmal zur Schlafstätte des späteren Opfers gegangen. Angeblich, um Schulden einzutreiben. Als er zurückkam, soll er einem Bekannten, der damals bei ihm übernachtet hat, gesagt haben: „Ich habe gerade einen umgebracht.“ Außerdem soll er Täterwissen offenbart haben. Zum Beispiel, dass ein Handtuch benutzt worden sei.

Auch der Angeklagte gehörte zur Alkoholiker- und Obdachlosen-Szene von Essen. Außerdem soll er Kokain konsumiert haben. Inzwischen gilt er als psychisch schwer krank, weshalb er die Strafe auch nicht im Gefängnis absitzen muss. Die Richter haben im Urteil auch gleich die Unterbringung in der geschlossenen Psychiatrie angeordnet.

Lesen Sie jetzt