Ohne Maske zu Ikea: Türsteher-Panne trifft lungenkranke Kundin

mlzAusnahmeregelung

Ausnahmen von der Maskenpflicht sind aus medizinischen Gründen vorgesehen. Eine lungenkranke Frau scheitert trotz Attest am Sicherheitsmann bei Ikea in Kamen. Die Möbelkette bedauert die augenscheinliche Diskriminierung.

Kamen

, 28.05.2020, 16:30 Uhr / Lesedauer: 2 min

Ohne Mund-Nasen-Schutz kein Zutritt zum Laden: Diese Regel gilt für alle Kunden bis auf Ausnahmen: Kinder bis zum Schuleintritt und Menschen, die aus medizinischen Gründen keine Maske tragen können.

Ein Vorfall bei Ikea in Kamen zeigt, dass Betroffene offenbar im Einzelfall willkürlich an der Ladentür zurückgewiesen werden. Wo durch die Ausnahmeregelung Rücksichtaufnahme auf Schwächere angesagt ist, bekommen gesundheitlich beeinträchtigte Menschen die kalte Schulter gezeigt.

Ingrid Pap, 69, will am Montag (25. Mai) gemeinsam mit ihrem gleichaltrigen Ehemann bei Ikea in Kamen einkaufen. Anders als ihr Begleiter trägt die Rentnerin keinen Mund-Nasen-Schutz. Doch bei Ikea gilt, wie überall im Handel, wegen der Pandemie eine Maskenpflicht.

Ingrid und Peter Pap wollten bei Ikea einkaufen, bekamen aber eine Abfuhr vom Türsteher, weil Ingrid aus medizinischen Gründen keine Maske tragen kann.

Ingrid und Peter Pap wollten bei Ikea einkaufen, bekamen aber eine Abfuhr vom Türsteher, weil Ingrid aus medizinischen Gründen keine Maske tragen kann. © privat

Ein Mann mit gelber Weste, so schildern die Eheleute, verweigert Ingrid Pap den Zutritt, obwohl Peter Pap ihm ein ärztliches Attest zeigt. „Aufgrund der reduzierten Lungenfunktion muss die oben genannte Patientin keine Maske tragen“, steht auf dem Dokument. Eine Unnaer Arztpraxis hat es ausgestellt.

Der Sicherheitsmann soll sich unbeindruckt von dem Papier gezeigt haben – und davon, dass die Frau durch einen Rollator als beeinträchtigt zu erkennen ist. Er soll darauf beharrt haben, dass sie nur mit Maske hineinkommt. „Der saß da, Hände verschränkt, Punkt, Aus. Wir waren geschockt“, erzählt Peter Pap. Der Ikea-Besuch endet, bevor er begonnen hat.

Wie hat sich Ingrid Pap im Augenblick der Zurückweisung gefühlt? „Wie soll ich das sagen?“ antwortet sie. „Ich wollte eigentlich nur einkaufen und dann wieder nach Hause fahren. Ich kam mir in dem Moment minderwertig vor.“

Szene aus dem Möbelhaus Ikea in Kamen: Eine Kundin bekommt von Jutta Iskalla einen Einkaufskorb.

Szene aus dem Möbelhaus Ikea in Kamen: Eine Kundin bekommt von Leiterin Jutta Iskalla einen Einkaufskorb. © Stefan Milk

„Bei Vorliegen eines ärztlichen Attests gilt die Ausnahme von der Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen natürlich auch beim Ikea-Besuch.“
Kim Steuerwald, Ikea

Die Möbelkette Ikea bestreitet die Ablehnung nicht, stellt den Vorfall als Fehler dar und drückt ihr Bedauern aus. „Bei Vorliegen eines ärztlichen Attests gilt die Ausnahme von der Maskenpflicht aus gesundheitlichen Gründen natürlich auch beim Ikea-Besuch“, erklärt Kim Steuerwald, Mitarbeiterin von Ikea Deutschland. „Wir bedauern, dass dem Mitarbeiter des Sicherheitsdienstes dieser Sachverhalt zunächst nicht bekannt war und der Kundin daraus Unannehmlichkeiten entstanden sind.“

Schon vor der Stellungnahme der Zentrale hat die Kamener Möbelhaus-Leiterin Jutta Iskalla aufgrund einer Anfrage der Redaktion veranlasst, dass gegenüber den Paps ein „Missverständnis“ aufgeklärt wird. Allerdings sagt Peter Pap nach dem Anrufs eines Ikea-Mitarbeiters, dass seiner Frau als Alternative ein Schutzvisier „aufgedrängt“ worden sei. Dazu stellt Kim Steuerwald von Ikea Deutschland klar: „Zum Schutz aller Beteiligten bieten wir Kunden, die aus gesundheitlichen Gründen keine Maske tragen können, an einigen Standorten auch ein Schutzvisier an – so auch in Kamen. Sollte das einem Kunden jedoch nicht behagen, kann er das Einrichtungshaus bei Vorlage des Attests, wie bereits erwähnt, aber auch ohne Maske betreten.“

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Peter Pap hält die Ausnahmeregelung für „Veräppelei“, wenn Geschäfte sie ignorieren können. Das Kamener Ordnungsamt rät Betroffenen, sich zu melden. „Wenn wir gerufen würden, würden wir vermitteln, damit der Kunde ohne Maske das Geschäft betreten kann“, sagt Peter Büttner von der Stadt Kamen. Bislang habe die Behörde von keinen solchen Fällen erfahren.

Die Paps zählen sich zur Risikogruppe der Menschen, die durch Corona besonders gefährdet sind. Sie wägen ab, in welche Alltagssituationen sie sich hineinbegeben. Einen Einkauf bei Ikea halten sie für vertretbar. Ingrid Pap ist froh, dass es die Ausnahmeregelung gibt. Dann muss sie sich neben ihrem Handicap und der Angst vor Ansteckung nicht auch noch Sorgen um eine Verstärkung ihrer Atembeschwerden durch eine Maske machen.

Einem ganzen Schwarm von Ikea-Kunden mit bedeckten Mündern und Nasen entsteht wohl kein Nachteil, wenn darin eine einzelne Person ohne Maske mitschwimmt. Die Eheleute sind sich auch relativ sicher, dass sie niemanden mit dem Coronavirus anstecken können. „Wir haben beide einen Test gemacht“, sagt Peter Pap. „Der war negativ.“

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