Fahrt im Picnic-Van: So klappt die Lieferung, das sagen die Kunden

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Der Online-Supermarkt Picnic liefert seit kurzem von Kamen aus. Wie genau das funktioniert und wie es ankommt, haben wir herausgefunden – bei einer Fahrt in dem auffälligen Mini-Van.

Kreis Unna

, 06.09.2020, 17:00 Uhr / Lesedauer: 4 min

Noch während Dana Ehlert die Kisten aus dem Lieferwagen zieht, öffnet sich die Tür von Kordula und Peter Planckes Doppelhaushälfte. Ehlert läuft ein paar Stufen bis zur Haustür hoch und geht dann wieder ein paar Schritte zurück, damit die Planckes ihr Einkäufe mit ausreichend Corona-Abstand aus der roten Box nehmen können.

„Das sind aber große Lauchstangen“, sagt Peter Plancke schmunzelnd. Die Größe des Gemüses könne man in der App nicht so gut einschätzen. Das Ehepaar erhält an diesem Freitag zum ersten Mal eine Lieferung des Online-Supermarktes Picnic, der seit kurzem auch von Kamen aus liefert. Auf dem Hof der Planckes parkt der auffällige Elektro-Van, in dem Dana Ehlert ihre Tour durch Südkamen fährt.

Antje Plum ist dankbar, dass sie während der Pandemie nicht mehr in den Supermarkt muss, weil sie dort eine zunehmend aggressive Stimmung erlebt.

Antje Plum ist dankbar, dass sie während der Pandemie nicht mehr in den Supermarkt muss, weil sie dort eine zunehmend aggressive Stimmung erlebt. © Claudia Pott

Ehlert lenkt das schmale Auto problemlos durch die Straßen. Das Fahren darin sei anfangs ungewöhnlich gewesen, sagt die 21-jährige Studentin. Sie sitzt in der engen, gläsernen Fahrerkabine, es fährt sich ein wenig wie ein Spielzeugauto – und sieht auch so aus. „Man zieht alle Blicke auf sich“, sagt Ehlert.

Kamener sind froh, dass sie dank Picnic nicht mehr in den Supermarkt müssen

Ein Navigationsgerät zeigt die Routen an und dient gleichzeitig als Scanner. Mit dem steigt die Runnerin – so heißen die Picnic-Fahrer – aus, scannt die Kisten und stellt sie dann auch schon vor die Tür der Kunden.

Schnell, einfach und ohne sich mit Mundschutz und Kind in die Supermarkt-Schlange stellen zu müssen – das gefällt auch Lea Jungmann an dem Konzept. Sie erhält am Freitag ebenfalls ihre erste Picnic-Lieferung und wird gleich positiv überrascht, als Runnerin Ehlert ihr anbietet, auch Pfandflaschen und Gläser mitzunehmen.

Picnic-Mitbegründer Frederic Knaudt präsentiert einen Picnic-Van, den das Unternehmen selbst entworfen hat. Ohnehin produziert es vieles selbst. So sind etwa die Plastiktüten recyclebar und können wieder zurückgegeben werden.

Picnic-Mitbegründer Frederic Knaudt präsentiert einen Picnic-Van, den das Unternehmen selbst entworfen hat. Ohnehin produziert es vieles selbst. So sind etwa die Plastiktüten recyclebar und können wieder zurückgegeben werden. © Stefan Milk

Wie Jungmann ist auch die Picnic-Kundin Antje Plum froh, dass sie sich so den Supermarkt-Besuch in diesen Zeiten sparen kann. Ihre gefalle die Atmosphäre in den Supermärkten immer weniger. „Die Menschen werden immer aggressiver“, meint sie.

Mit den Picnic-Lieferungen sei sie bisher sehr zufrieden. „Der Kontakt ist freundlich und es klappt“, sagt sie. Etwas ärgerlich sei nur gewesen, dass es so gedauert hat, bis sie die erste Bestellung aufgeben konnte.

Kamener mussten lange auf ihre erste Lieferung bei Picnic warten

Und da ist sie nicht die einzige. Auch andere Kunden gaben das am Freitag als kleines Manko an. Ein Grund dafür waren die leichten Verzögerungen bei der Eröffnung des Standortes Kamen. Doch die Kunden, die derzeit schon beliefert werden, können sich trotzdem glücklich schätzen. Denn die Wartelisten von Picnic sind zurzeit generell gut gefüllt, wie Frederic Knaudt aus dem Gründerteam von Picnic in Deutschland erklärt.

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In Kamen liegt das zum Teil daran, dass der „Hub“, von wo aus die Picnic-Vans starten, erst vor rund zwei Wochen in Betrieb genommen wurde. Die Routen müssen erst ausgearbeitet werden und neue Runner eingestellt. Steigen nach und nach die Kapazitäten, werden auch mehr Kunden beliefert.

Und das nach dem Milchmannprinzip. Die Vans fahren zwischen 14.30 Uhr und 22.30 Uhr immer dieselben Routen und es steht schon vorher fest, wann sie wo sind. Die Kunden können also nicht individuell zu ihrer Wunschzeit beliefert werden – dafür ist die Lieferung aber unter anderem kostenlos, weil das Konzept Kosten einspart, wie Knaudt erläutert.

Picnic-Kunden bestellen am Vorabend und erhalten dann frische Ware

Picnic gründete sich in den Niederlanden und startete 2017 zunächst testweise in Deutschland. Knaudt erklärt, Picnic spare sich die Logistik-Kette und die Kosten, einen Markt zu betreiben. Es gibt lediglich Lager und „Hubs“ wie den im Industriegebiet Hemsack, wo die Vans nur beladen werden und dann zu den Haushalten fahren.

Picnic bestellt teils auch von regionalen Anbietern genau die Mengen, die die Kunden bis 22 Uhr am Vorabend bestellen können. Weggeschmissen wird also nichts. Und die Waren sind frisch. „Das Brot wurde heute morgen gebacken“, sagt Knaudt beim Blick in eine der roten Kisten.

Justus Vergossen ist Hub-Manager vom Picnic-Standort im Hemsack. Er zeigt, wie die Vans beladen werden. Es passen je zwei bereits gepackte Gerüste in einen Wagen – einer mit normaler Ware, einer mit gekühlter Ware. Die Fahrer müssen die fertig gepackten Kisten nur noch ausliefern.

Justus Vergossen ist Hub-Manager vom Picnic-Standort im Hemsack. Er zeigt, wie die Vans beladen werden. Es passen je zwei bereits gepackte Gerüste in einen Wagen – einer mit normaler Ware, einer mit gekühlter Ware. Die Fahrer müssen die fertig gepackten Kisten nur noch ausliefern. © Stefan Milk

Die Kisten werden im Kühllager in Herne so vorgepackt, dass die Fahrer sie nur noch auf einem Träger in den Van schieben müssen. Die Elektroautos fahren dann drei Touren à zwei Stunden und werden nachts geladen. Derzeit starten in Kamen neun dieser Mini-Auto, erklärt der Manager des Standortes, Justus Vergossen. „Aber wir werden schnell wachsen“, ist er sicher. Alleine am Vortag seien fünf neue Fahrer eingestellt worden.

Bei den Runnern handelt es sich laut Knaudt meist um Studenten, die es schätzen, dass sie sich ihre Fahrten frei einteilen können. Eine davon ist die Kamenerin Dana Ehlert. Die 21-Jährige studiert an der Uni in Dortmund und wohnt nur fünf Minuten vom Hub entfernt.

Kann der Online-Supermarkt der Kamener Innenstadt schaden?

Konzepte wie von Picnic lassen die Alarmglocken in den Handelszentren der Städte schrillen. Denn es liegt nahe, dass die ohnehin schon gebeutelte Innenstadt noch mehr leidet, wenn nicht mehr nur Kleidung, sondern auch Nahrung und Drogerie-Artikel so einfach online bestellt werden können.

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SO FUNKTIONIERT PICNIC

  • Picnic ist ein Online-Supermarkt, der Bestellungen über die Picnic-App entgegennimmt. Die App gibt es kostenlos für Android und iOS.
  • Wer bis 22 Uhr bestellt, bekommt seine Ware am nächsten Tag in einem Zeitraum von 20 Minuten geliefert. Wie damals der Milchmann sind die kleinen Picnic-Vans immer zu festen Zeiten in einer Straße. Der Standort der Autos kann in der App mitverfolgt werden.
  • Weitere Informationen und Antworten auf viele Fragen gibt es auf der Internetseite www.picnic.app/de.
  • Picnic beliefert seit kurzem von Kamen aus nach ganz Kamen und Bergkamen sowie Teile von Unna, Lünen und Dortmund.

Knaudt hält dagegen, auch weil Picnic bislang nur einen kleinen Teil der Menschen beliefere. Aber auch, weil er glaubt, dass die sich so zwar den lästigen Wocheneinkauf sparen, sich dafür aber Zeit nehmen können, um in den Geschäften der Innenstadt zu stöbern oder über den Wochenmarkt zu schlendern.

Spekulieren lässt sich aber bekanntlich viel. Wie sich Picnic in Kamen entwickelt und was das für einen Einfluss hat, entscheiden letztendlich die Kamener. Und denen ist vor allem wichtig, dass die Ware gut ist und im Falle von Obst, Gemüse und Co. frisch.

Denn so gut durchdacht das Konzept auch ist und so putzig die Picnic-Vans auch aussehen, am Ende kommt es auf die Lieferung an, die überzeugen muss. Das findet auch das Ehepaar Plancke. Es wirkt nach seiner ersten Bestellung zwar schon recht zufrieden, „aber erst werden wir testen, ob die Ware frisch ist und schmeckt“.

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