Pfarrer belästigt: Keine Ordnungshaft für Stalkerin

13 Jahre Liebes-Terror

Über ein Jahrzehnt lang stalkte eine 73-jährige Seniorin einen Pfarrer aus Meschede. Weil Kontaktverbote und eine Therapie die liebeskranke Seniorin nicht zurückhalten konnten, landet die tragische Geschichte immer wieder vor Gericht. Nun hat das Hammer Oberlandesgericht in dem Prozess eine Entscheidung getroffen.

HAMM

, 08.03.2017, 16:37 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Angeklagte zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.

Die Angeklagte zu Beginn des Prozesses im Gerichtssaal.

Angefangen hatte der Liebes-Terror bereits vor 13 Jahren. "Ich habe ihn 2000 zufällig getroffen. Es hat mich wie ein Blitz erwischt. Ich wusste ja nicht, dass er der Pastor ist", sagte die Seniorin 2014 im Prozess. Bei mehreren Gutachtern hatte die Frau immer wieder von einer Seelenverwandtschaft mit dem Geistlichen gesprochen.

Zunächst hatte die Frau den Pastor nur umworben. Später verstärkten sich ihre Attacken, sie tauchte sogar nackt oder im String-Tanga am Pfarrhaus auf. Die sexuelle Belästigung habe mit den Jahren nachgelassen, sagte der Pfarrer im Zeugenstand. Trotzdem fühle sich der Pfarrer nach wie vor täglich von der Frau verfolgt.

Stalking trotz gerichtlichem Annäherungsverbot

Im Frühjahr 2014 verurteilte das Amtsgericht in Meschede die Frau zu 14 Monaten Haft. Sowohl die Staatsanwaltschaft als auch die Verteidigung legten Berufung gegen das Urteil ein: Der Anklage war die Strafe zu mild, die Verteidigung dagegen beantragte aufgrund der Schuldunfähigkeit Freispruch.

Trotz mehrerer Therapien, Klinik-Aufenthalte und eines gerichtlichen Annäherungsverbots hatte sie dem Pfarrer Blumen, Liebesbriefe und Phallus-Symbole zukommen lassen und ihn zeitweise täglich angerufen oder SMS geschickt.

Gutachten bescheinigt Seniorin Schuldunfähigkeit

Das Amtsgericht in Meschede ordnete wegen der Verstöße vier Monate Ordnungshaft gegen die Seniorin an. Der Fall wanderte in der Folge vor das Hammer Oberlandegericht. Nach dem Gutachten eines Sachverständigen sei das Oberlandesgericht nun zu der Überzeugung gelangt, dass die Frau schuldunfähig war, erklärte der Sprecher.

Im Urteil entschied das Gericht in Hamm in zweiter Instanz, dass die Stalkerin nicht hinter Gitter muss. Der Fall sei damit rechtskräftig beendet worden, das Urteil sei bereits am Freitag ergangen, erklärte ein Sprecher am Mittwoch.

Mit dpa