Physiker sind wahnsinnig überzeugend

Theater an der Ruhr

"Oder sind in dieser Welt nicht eigentlich alle irre?", fragt das Team um Regisseur Jo Fabian im Programmheft. Wer ihre Premiere von Dürrenmatts "Physikern" am Theater an der Ruhr gesehen hat, kann diesen Eindruck gewinnen. Die Produktion des Jungen Theaters an der Ruhr in Kooperation mit dem FFT Düsseldorf kann Schülern nicht die Dürrenmatt-Lektüre ersetzen.

MÜLHEIM

, 05.12.2016, 15:09 Uhr / Lesedauer: 1 min
Irre Physiker (v.l.): Möbius (Matthias Horn), Newton (Boris Schwiebert) und Einstein (Wolf Gerlach).

Irre Physiker (v.l.): Möbius (Matthias Horn), Newton (Boris Schwiebert) und Einstein (Wolf Gerlach).

Den Text gibt es nur in Auszügen, dafür viele neue Passagen und auch neue Pointen. Gleich der Beginn ist völlig anders: Da befragt nicht der Inspektor die Oberschwester (die bei Jo Fabian gar nicht vorkommt) über den Mord an der ausgestreckt am Boden liegenden Krankenschwester, sondern die Chefärztin (taff: Gabriella Weber) versucht, mit ihren sichtbar debilen Patienten im Morgenkreis ein Lied zu singen.

"Tote" in der Kaffeepause

Und weil der Kommissar sich verspätet, wird die "Tote" (mit viel Sex-Appeal: Sophie Lochmann) erstmal in die Kaffeepause geschickt.

Eine weitere Überraschung: Außer dem Physiker Möbius (Matthias Horn) und den Patienten, die sich - wahnsinnig überzeugend - als Einstein (Wolf Gerlach) und Newton (Boris Schwiebert) ausgeben, gibt es da noch einen Neumann als vierten Irren. Es handelt sich um den auch als "Superhirn" und "Pionier der künstlichen Intelligenz" bekannten Mathematiker John von Neumann.

Hier ist er zunächst mit von der Partie, weil er Berechnungen im Zusammenhang mit den Atombomben von Hiroshima und Nagasaki durchgeführt hat. Sein Kopf allerdings ist verbunden, er kann weder sehen noch sprechen.

König Salomo fehlt

Ganz gestrichen ist König Salomo, mit dessen Erscheinungen Möbius bei Dürrenmatt seinen gespielten Wahnsinn rechtfertigt, durch den der verantwortungsvolle Wissenschaftler seine brisanten Erkenntnisse vor möglichem Missbrauch schützen will.

Auch die Irrenärztin braucht den weisen König nicht, um ihre Berufung zur Weltherrschaft zu legitimieren. Sie hat dafür ihre "Dobermänner" - Neumann und den Inspektor (Axel Strothmann), der sich am Ende als Nietzsche ausgibt.

 

Termine: 25./26.1.; Karten: Tel. (0208)5990188.

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