Plagiat oder Inspiration?

Beyoncé hat abgeguckt

ESSEN. Das Video sagt eigentlich schon alles. Ein kurzes Filmchen bei You Tube beweist, dass der neue Clip der US-Sängerin Beyoncé in verblüffender Weise einer Choreografie ähnelt, die vor fast 30 Jahren entstanden ist: dem Stück "Rosas danst Rosas" der belgischen Tänzerin Anne Teresa De Keersmaeker.

von Von Bettina Jäger und AFP

, 13.10.2011, 19:37 Uhr / Lesedauer: 2 min

Über 1,3 Millionen Mal ist der Video-Beweis des Senders "Studio Brüssel" schon angeklickt worden. Im Internet tobt eine regelrechte Schlacht zwischen der Fans der US-Künstlerin und denen der Choreografin. Beyoncé Knowles hat inzwischen zugegeben, sich bei ihrem neuen Videoclip "Countdown" von De Keersmaeker "inspiriert" haben zu lassen. Dies sei aber nur einer der verschiedenen Einflüsse auf ihren Clip gewesen, erklärte Beyoncé.

Kein Gefühl des Ärgers

Auch Künstlerin Anne Teresa De Keersmaeker hat reagiert. Nicht nur Bewegungen aus ihren Stücken "Rosas danst Rosas" von 1983 (anno 1996 von Thierry de Mey verfilmt) und "Achterland" von 1990 seien geplündert worden, sondern auch Kostüme, Bühne und Kameraeinstellungen aus dem Film. "Die Menschen fragen mich, ob ich ärgerlich sei oder mich geehrt fühlen würde", schreibt sie in ihrer Stellungnahme. "Nichts von beidem."

Beyoncé sei nicht die schlechteste Kopiererin: "Sie tanzt sehr gut und hat Geschmack." Aber solche Aktionen hätten nun einmal Konsequenzen. De Keersmaeker hat einen Anwalt eingeschaltet.Verführung statt Selbstbewusstsein

Sie denkt aber weit darüber hinaus. "Rosas danst Rosas" sei damals als Ausdruck weiblichen Selbstbewusstseins begriffen worden. In Beyoncés Tanz sehe sie nun nur "Verführung auf eine unterhaltsame Art." Und sie fragt: "Warum dauert es 30 Jahre, bis die Populärkultur ein experimentelles Stück Tanz erkennt?"

Viele wollen Karten

Der Dritte im Bunde bei diesem Streit ist das Choreographische Zentrum PACT Zollverein in Essen, das sich über ungewöhnlich viele Nachfragen freuen kann. De Keersmaeker ist dort immer wieder zu Gast. "Jetzt kommen auch junge Leute zu den Aufführungen", berichtet Sprecherin Nassrah-Alexia Denif, die die belgische Choreografin nach dem Tod von Pina Bausch für "die wichtigste Persönlichkeit des internationalen Tanzes" hält.

Künstlerin ist schwanger 

Übrigens: De Keersmaeker geht in ihrer Stellungnahme auch darauf ein, dass die Sängerin Beyoncé derzeit ein Baby erwartet. "Auch ich war schwanger mit meinem zweiten Kind, als 1996 De Meys Film gedreht wurde", schreibt sie. "Heute kann ich ihr nur die gleiche Freude wünschen, die meine Tochter mir gebracht hat."  

PACT Zollverein, Bullmannaue 20 a in Essen, 14./15.10., 20 Uhr, Rosas/Anne Teresa De Keersmaeker: "Bartók / Mikrokosmos". Karten unter Tel. (0201) 812 22 00.

Hier finden Sie das You Tube-Video http://youtu.be/3HaWxhbhH4c 

 

 

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