Poesie und Brillanz eines russischen Chopin und Liszt

Kissin beim Klavier-Festival Ruhr

Eine so große Verbindung zwischen Poesie und Virtuosität, wie Evgeny Kissin sie zeigt, ist selten. Besonders bei einem noch relativ jungen Pianisten. Nach zehn Jahren Abstinenz beim Klavier-Festival Ruhr kehrte der 42-jährige Russe am Mittwoch zum Festival, ins Konzerthaus Dortmund, zurück.

DORTMUND

, 06.06.2014, 18:42 Uhr / Lesedauer: 1 min
Evgeny Kissin imponierte in Dortmund.

Evgeny Kissin imponierte in Dortmund.

Und Stammbesucher staunten, wie anders Schuberts "Gasteiner Sonate" klingen kann als man es eine Woche zuvor bei Daniel Barenboim beim Festival in der Philharmonie Essen gehört hat.Perfekter als Barenboim

Impulsiv, mit wogenden Klängen, aufregender und technisch perfekter als Barenboim spielte Kissin diese Sonate. Die große Sensibilität des Moskauers hörte man im zweiten Satz. Der war bis ins Detail ausgefeilt, höchst kultiviert und spannungsvoll gespielt.

Kissins Paradekomponist ist sein Landsmann Skrjabin, von dem man im nächsten Jahr, zum 100. Todestag des Komponisten, hoffentlich mehr hören wird. In der zweiten Fantasie-Sonate zeigte Kissin Skrjabin zunächst als russischen Chopin mit sehr einfühlsamem Anschlag, dann als russischen Liszt mit imposanter Technik. Dass er beides beherrscht, ein ausdrucksstarker Poet und makelloser Techniker ist, macht die große Kunst in Kissins Spiel aus.Ein Zugabenfest

Aus Skrjabins Etüden Opus acht hatte er sieben Werke ausgewählt und klug zu einer kontrastreichen Suite zusammengestellt, die unterstrich, wie schön der Russe Lieder ohne Worte am Klavier singen kann und wie kraftvoll er Virtuosität wie die rasante Oktavübung in der neunten Etüde meistert. Es folgte ein Zugabenfest, unter anderem mit einer Chopin-Polonaise und Bach-Bearbeitung von Wilhelm Kempff. Großer Jubel.

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