Preisvergabe und Film im Gefängnis

Kinofest Lünen

Mit der Preisvergabe endete am Sonntagabend das 27. Kinofest Lünen. Die "Lüdia" (dotiert mit 10000 Euro) geht an Tini Tüllmann für "Freddy Eddy". Bereits am Freitag war der Vorjahressieger "Herbert" in der Justizvollzugsanstalt in Werl zu sehen.

LÜNEN/WERL

, 13.11.2016, 20:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Preisvergabe und Film im Gefängnis

Peter Kurth spielt den kranken Ex-Boxer Herbert.

Neben der "Lüdia" wurde noch weitere Peise beim Kinofest Lünen vergeben. Zum besten Kinderfilm wurde "Auf Augenhöhe" von Evi Goldbrunner und Joachim Dollhopf, an die 3000 Euro gehen, gekürt.

Sieger bei den Kurzfilmen sind Tarek Roehlingers "Un État D’Urgunce" (1600 Euro) und Felix Ahrens' "Am Ende der Wald" (2400 Euro). Den "Ruhrpott"-Preis der Ruhr Nachrichten (1500 Euro) erhält "Wellness für Paare" von Jan-Georg Schütte. Insgesamt 9900 Besucher zählte das Festival - ein Rekord.

"Herbert" in der JVA Werl

Regisseur Thomas Stuber reiste aus Leipzig an, Produzent Anatol Nitschke aus Berlin. In der Justizvollzugsanstalt (JVA) Werl zeigten sie am Freitag ihren Film "Herbert", 2015 Sieger beim Kinofest Lünen, das mit der Vorstellung vor Häftlingen neue Wege geht.

Ein wenig fühlen wir uns wie Johnny Cash beim Konzert in Folsom Prison, als wir vergitterte Türen passieren, dann den Trakt mit den Zellen, bis wir die Gefängniskapelle erreichen. Beamer und Leinwand stehen bereit für ein Kultur-Programm hinter schwedischen Gardinen.

Story vom kranken Ex-Boxer

Im Kopf hat man das Klischee, dass "schwere Jungs" auf Action stehen, Ballerfilme, Kickboxen mit van Damme. Wie werden Häftlinge auf ein sensibles Drama reagieren? Das von einem harten Kerl erzählt, der am Ende butterweich ist? Die Story des unheilbar kranken Ex-Boxers "Herbert" ist ein Stoff, der zu Herzen geht, er handelt von Gefühlen, die einem Sterbenden wichtig sind.

"Ich habe keine Wünsche für das Gespräch nach dem Film", sagt Thomas Stuber. "Ich warte einfach, was als Echo kommt." Nach und nach trudeln die Häftlinge ein. 60 kommen, jüngere und Männer mittleren Alters.

Film ab in der JVA. Anstaltsleiterin Maria Look ist dabei, Michael Wiedemann vom Kinofest stößt dazu.

Konzentrierte Zuschauer

Die Geschichte braucht Zeit, um sich zu entfalten, und ja, ihre Dialoge tönen etwas dumpf in einer Kapelle, die kein Kino ist. Doch das Spiel von Peter Kurth (als Herbert, den ein Nervenleiden zum Wrack macht) und die pointierte Regie halten die Zuschauer bei der Stange. Niemand tuschelt, keiner stört, ein einziger geht zur Toilette.

Lebhaft ist die Diskussion nach der Vorführung. Geldeintreiber seien heute bewaffnet, meint ein Häftling, sonst sei das Milieu gut getroffen. Als Herbert im Rollstuhl zur Taufe kam, habe er sich Tränen verkniffen, erzählt ein anderer. Sein Nachbar lobt Authentizität und Spannung: "Danke für diesen mutigen Film."

Was ist ein starker Mann?

Eine Frage steht im Raum: Was ist ein starker Mann? "Einer, der zugeben kann, dass er schwach ist", glaubt ein Häftling. "Jeder hier hat doch Angst, alleine und nicht gemocht zu verrecken. Da habe ich mich selbst erkannt", erzählt einer der Männer.

"Herbert" scheint bei vielen einen Nerv getroffen zu haben. Der richtige Film am rechten Ort - JVA und Lüner Kinofest bleiben im Kontakt, wie man hört.

 

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