Derya Ö.: War die Prostituierte aus Dortmund eine IS-Terroristin?

Oberlandesgericht Düsseldorf

Sie wurde misshandelt, in Dortmund auf den Strich geschickt und war drogenabhängig. In Syrien heiratete sie IS-Kämpfer Mario, besaß einen Sprengstoffgürtel. Für die Anklage ist der Fall klar.

Düsseldorf

16.12.2019, 11:12 Uhr / Lesedauer: 2 min
Derya Ö.: War die Prostituierte aus Dortmund eine IS-Terroristin?

Eine mutmaßliche IS-Terroristin droht verurteilt zu werden. © dpa/Archiv

Einer Prostituierten aus Bochum droht Dienstag (17.12.) am Düsseldorfer Oberlandesgericht als IS-Terroristin verurteilt zu werden. Die Bundesanwaltschaft hat für die 27-Jährige drei Jahre Haft beantragt. Sie habe ein glaubhaftes Geständnis abgelegt.

Die Verteidiger stellten dagegen die Mitgliedschaft bei der Terrormiliz Islamischer Staat in Frage: Ihre Mandantin habe sich dem IS-Kämpfer Mario aus Leverkusen bedingungslos unterworfen: „Sie wollte zu Mario, nicht zum IS.“ Der IS nehme Frauen zudem gar nicht als Mitglieder auf.

„Sie ist keine Hardcore-Islamistin“

Sie beantragten zwei Jahre und drei Monate Haft sowie die Aussetzung des Haftbefehls: „Sie ist keine Hardcore-Islamistin, sondern ein bedauernswerter Tropf.“ Schon in ihrer Kindheit sei sie Opfer der Gewalt ihres Vaters und anderer Männer geworden, drogenabhängig gewesen und ins Rotlichtmilieu abgerutscht.

Die heute 27-Jährige habe die Schule in Bochum nach der neunten Klasse ohne Abschluss verlassen und im Alter von 17 Jahren in einer Dortmunder Disco einen Mann kennengelernt, der sie zur Prostitution auf dem Straßenstrich gezwungen habe, berichtete die junge Frau selbst zum Prozessauftakt im Hochsicherheitstrakt des Düsseldorfer Oberlandesgerichts.

Freiwillig in Wuppertal gearbeitet

Beim dritten Fluchtversuch habe sie ihrem brutalen Zuhälter entkommen können, ihre Strafanzeige sei im Sande verlaufen, erklärte die 27-Jährige. Später habe sie einen Duisburger Rocker kennengelernt und begonnen, freiwillig in Wuppertal als Prostituierte zu arbeiten - sechs Tage in der Woche. Etwa ein Jahr lang sei sie kokainabhängig gewesen und habe ihr Leben ändern wollen.

Sie habe sich getrennt, sei zu ihrer Mutter nach Bochum zurückgezogen, habe über Facebook den deutschen IS-Kämpfer Mario kennengelernt und sich in ihn verliebt.

Anklage: Vom IS finanziert

Laut Anklage hatte Derya Ö. in Syrien mit ihrem Mann Wohnraum und Geld vom IS bezogen, bis dieser als Spion bezichtigt und hingerichtet wurde. Die Bochumerin habe außerdem eine Kalaschnikow mit Munition und einen Sprengstoffgürtel besessen. Im Februar 2017 war sie an der Grenze zur Türkei festgenommen worden. Der Prozess hatte im September begonnen.

dpa

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