Pures Glück mit dem Luxusklang von der Ostküste

Philadelphia Orchestra in Dortmund

Alles, was man von den amerikanischen "Big Five"-Orchester über den satten Streicherklang, das legendäre große, runde Blech und die warmen Holzbläserklänge hört - es stimmt alles. Nach dem New York Philharmonic gab das Philadelphia Orchestra als zweiter Klangkörper der amerikanischen Top-Fünf am Mittwoch sein Debüt im Konzerthaus Dortmund. Und der Jubel fand nach dieser Sternstunde kaum ein Ende.

DORTMUND

, 28.05.2015, 14:52 Uhr / Lesedauer: 1 min
Eine besondere Zugabe: Dirigent Yannick Nézet-Séguin (l.) spielte mit Emanuel Ax vierhändig Chopin.

Eine besondere Zugabe: Dirigent Yannick Nézet-Séguin (l.) spielte mit Emanuel Ax vierhändig Chopin.

Yannick Nézet-Séguin führt sein Orchester, dessen Chefdirigent er seit zweieinhalb Jahren ist, sichtlich stolz auf die erste gemeinsame Europatournee. Und die frankokanad

ische Energiemaschine scheint der Riesenbesetzung, die vorher so renommierte Chefs wie Eugene Ormandy, Riccardo Muti und Wolfgang Sawallisch hatte, noch mehr Flügel zu verleihen.

Brahms mit Klangsamt

Brahms dritte Sinfonie war am ersten der beiden Abende mit den Ostküsten-Stars die Ouvertüre. Mit einem Heer von 60 Streichern legte der 40 Jahre junge Dortmunder Exklusivkünstler den Saal mit Klangsamt aus. Es schien so, als würde Nézet-Séguin die Musik einatmen, und das Orchester atme sie wieder aus. Diese Sinfonie so im Fluss und vollendet schön hören zu dürfen, war Luxus.

Als Durchlauferhitzer des Klangs steht der unermüdlich mimisch und gestisch motivierende Dirigent für Spannung; dies war auch ein Abend der Harmonie.

Pure Harmonie

Der amerikanische Pianist Emanuel Ax gab als Solist in Beethovens drittem Klavierkonzert mit seinem eleganten, fein schattierten Spiel den Ton an, und Nézet-Séguin reagierte auf jede Nuance. - Ein Glücksfall für den Solisten und das Publikum. Bei so viel Harmonie war die Zugabe zwar überraschend, aber konsequent: Da setzte sich der Dirigent mit Ax ans Klavier und spielte mit ihm vierhändig Chopin.

Die "Rosenkavalier"-Suite von Strauss machte Nézet-Séguin danach zum rauschenden Fest. Das war Musik zum Niederknien - so kraftvoll, süffig, differenziert und mitreißend. Einfach phänomenal.

Gestern Abend spielte das Philadelphia Orchestra mit Lisa Batiashvili noch einmal im Konzerthaus Dortmund, und die Solistin hatte vorher erzählt, dass ihre neue Geige wie Schokolade klingt.