Querdenkerin vergleicht sich mit Sophie Scholl: Ordner verliert die Fassung

Corona-Demos

Auf der Querdenken-Demo in Hannover ist es am Samstag zu einem kleinen Eklat gekommen. Als sich eine 22-jährige Rednerin mit Sophie Scholl vergleicht, verliert ein Ordner die Fassung.

Hannover

22.11.2020, 05:15 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration der Initiative «Querdenken» gegen die Corona-Maßnahmen stehen auf dem Opernplatz. Hunderte Menschen haben in der Innenstadt gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, auch zahlreiche Gegendemonstranten waren vor Ort.

Zahlreiche Teilnehmer einer Demonstration der Initiative «Querdenken» gegen die Corona-Maßnahmen stehen auf dem Opernplatz. Hunderte Menschen haben in der Innenstadt gegen die Corona-Maßnahmen demonstriert, auch zahlreiche Gegendemonstranten waren vor Ort. © picture alliance/dpa

Bei der Querdenken-Demonstration in Hannover am Samstag kam es zu einem etwas anderen Polizeieinsatz – gegen einen aufmüpfigen Sicherheitsdienst, der in den sozialen Netzwerken allerdings für sein Eingreifen gefeiert wird. Auf der Bühne stand zu diesem Zeitpunkt Jana aus Kassel.

„Ich bin Jana aus Kassel und ich fühle mich wie Sophie Scholl, da ich seit Monaten aktiv im Widerstand bin, Reden halte, auf Demos gehe, Flyer verteile und auch seit gestern Versammlungen anmelde“, sagte sie zu der jubelnden Masse und verhaspelte sich mehrfach.

Sie fuhr fort: „Ich bin 22 Jahre alt, genau wie Sophie Scholl, als sie den Nationalsozialisten zum Opfer fiel. Ich kann und werde niemals aufhören, mich für Freiheit, Frieden, Liebe und Gerechtigkeit einzusetzen.“

Doch dann wurde sie unterbrochen – von einem Ordner. Der Mann ging auf die Bühne zu, seine Warnweste in der Hand und wollte sie der Frau geben. „Für so einen Schwachsinn mache ich keinen Ordner mehr“, sagt der Mann mehrfach.

Ordner übergibt seine Weste: „Für so einen Schwachsinn mache ich keinen Ordner mehr“

Während Jana aus Kassel ungläubig guckte und mehrfach „Was?“ fragte, wiederholte der Mann seinen Satz immer wieder. „Beim besten Willen, so ein Schwachsinn. Sophie Scholl – du bist doch hängen geblieben.“ Während eine Frau im Publikum den Mann auffordert, die Rede nicht zu unterbrechen, kommen Kollegen des Mannes hinzu und fragen, was das Problem sei. Der Ordner bleibt bei seiner Ansicht: „Sie verharmlost den Holocaust.“

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Nur wenige Sekunden später sind auch Polizisten vor der Bühne versammelt und führen den Mann ab – der der 22-Jährigen aber noch zuruft, dass sie „mehr als peinlich“ sei. Und die Rednerin? Die dreht sich mit dem Rücken zum Publikum, fängt an, ins Mikrofon zu weinen, und stürmt von der Bühne.

Sicherheitsmann wird auf Youtube für sein Eingreifen gefeiert

Während sich die Demonstranten empören und die Moderatorin des Events in Hannover sagte, es sei „furchtbar, was in diesem Land passiert. Ich bin erschüttert“, findet sich in den sozialen Medien viel Zuspruch für den beherzten Ordner, der den Holocaust-Vergleich von Corona-Leugnern und Verschwörungstheoretikern satt hat.

Auf Youtube wurde die Querdenken-Demo aus Hannover nämlich live gestreamt und User konnten ihre Kommentare abgeben. „Ehrenmann!“ und „Bester Mann!“ heißt es dort immer wieder, oder auch: „Woah, und ich war live dabei!“ und „Sag ich doch, jetzt wird’s komisch“.

Erst vor wenigen Tagen hatte sich eine Elfjährige auf einer Querdenken-Demo in Karlsruhe mit Anne Frank verglichen – sie habe ihren Geburtstag heimlich mit Freunden feiern müssen, sagte sie in Anspielung auf die junge Jüdin, die sich jahrelang in einem Hinterhaus in Amsterdam vor den Nazis verstecken musste.

RND/msk

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