Räuber bringen Sparclub um ein kleines Vermögen – GPS-Sender hilft Ermittlern

mlzLandgericht Essen

Für den Sparclub in Gevelsberg war es eine Tragödie: Kurz vor der Auszahlung wurden die Kassierer überfallen. Der Tipp für den Überfall könnte aus der Familie eines Polizisten gekommen sein.

Gevelsberg, Marl

, 06.04.2020, 17:21 Uhr / Lesedauer: 2 min

Der Raubzug war bis ins Detail geplant – es gab sogar einen Testlauf. Im September 2018 wurden in Gevelsberg zwei Kassierer eines Sparclubs überfallen. Die Beute: 77.000 Euro. Die Spur führte nach Marl.

Das Essener Landgericht hat am Montag zwei Jahre und neun Monate Haft gegen einen der Täter verhängt – wegen Raubes. Richter Markus Dörlemann sprach von einem besonders „planvollen Vorgehen“.

E-Mail brachte Fahnder auf die richtige Spur

Es war eine E-Mail, die die Polizei auf die Spur des Angeklagten gebracht hat. Nach mehreren Überfällen auf Geldtransporter war vor allem auch eine Familie aus Marl ins Visier der Fahnder geraten. Bei einer Wohnungsdurchsuchung im vergangenen Jahr dann die Überraschung. Auch der bisher nicht geklärte Überfall auf die Sparclub-Kassierer in Gevelsberg ließ sich auf einmal zurückverfolgen.

Wie sich herausstellte, war der Angeklagte damals extra aus Berlin angereist, um mit der Marler Familie gemeinsame Sache zu machen. Man kannte sich offenbar. Der 24-jährige Vater eines kleinen Sohnes hatte aus seiner Heimatstadt auch den späteren Fluchtwagen mitgebracht – einen schwarzen Mercedes Benz, offiziell angemietet von seiner Mutter.

Was er allerdings nicht bedachte: Das hochwertige Fahrzeug war mit einem GPS-Sender ausgestattet. Dadurch konnten die Fahrten von Marl nach Gevelsberg später metergenau und minutiös rekonstruiert werden.

„Wie ein Blitz angezischt“

Es war gegen 14.30 Uhr, als die beiden Kassierer überfallen wurden. Sie hatten die Sparkassen-Filiale in Gevelsberg gerade verlassen, als von hinten plötzlich ein Mann angerannt kam und einem der Männer den Rucksack mit dem Bargeld von der Schulter riss.

Für Gegenwehr blieb keine Zeit. „Der kam wie ein Blitz angezischt“, erinnerte sich einer der Kassierer vor Gericht. Die Täter – darunter auch der nun angeklagte Vater aus Berlin – rasten sofort davon.

Wie sich herausstellte, war eines der Opfer sogar ein Polizist, der von seinem Sparclub zum Kassenwart gewählt worden war. Auch er hatte die Täter wegen einer Fußverletzung nicht verfolgen können.

Er musste sich von den Mitgliedern seines Sparclubs später schwerste Vorwürfe gefallen lassen. „Die haben mich fertig gemacht, weil ich nicht in Uniform und mit Waffe zur Sparkasse gegangen bin.“

Tipp aus der Familie des Polizisten?

Die Ersparnisse hatten am selben Abend ausgezahlt werden sollen. Viele hatten das Geld für Weihnachtseinkäufe eingeplant.

Besonders unangenehm außerdem: Es könnte sein, dass die Täter ausgerechnet aus der Familie des Polizisten einen Hinweis bekommen haben. Der Quasi-Schwiegersohn soll über Ecken ebenfalls zu der Familie aus Marl gehören.

Auf der Flucht zurück ins Ruhrgebiet waren die Täter im Stau auf der A43 sogar durch die Rettungsgasse gerast, hatten die sie inzwischen verfolgende Polizei dadurch erstmal abschütteln können.

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