RAF im Gewand der Schillerschen Maria Stuart

Theater Essen

In "Ulrike Maria Stuart" verarbeitet Elfriede Jelinek den RAF-Komplex, lässt Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof - wie die Schillerschen Königinnen Elisabeth und Maria - sprachgewaltig aufeinander treffen. Eine gelungene Inszenierung im Schauspiel Essen.

ESSEN

von Von Britta Helmbold

, 25.10.2011, 13:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
Bettina Schmidt spielt Ulrike Meinhof.

Bettina Schmidt spielt Ulrike Meinhof.

Private Intrigen sorgen für das Scheitern politischer Ziele. Nach dem Tod linker Theorien bleibt nur noch der entfesselte Markt.

Dafür findet Regisseur Hermann Schmidt-Rahmer in seiner Inszenierung für das Essener Grillo Theater, deren Spielzeitmotto "Ich Widerstand!?" heißt, ein eingängiges Bild: In der ersten Szene, die an eine Uni-Vollversammlung erinnert, sitzen die sechs Protagonisten an einem Podium - und reden.Revolution gepaart mit Mode Die Bühnenrückwand ziert ein roter Vorhang mit den revolutionären Köpfen von Marx, Lenin & Co., dahinter verbirgt sich ein gigantisches Mode-Plakat.

Bekanntlich wurde Ensslin in einer Hambuger Edelboutique geschnappt. Doch bevor die Festnahme als Reportage auf eine riesige Leinwand projiziert wird, geht's auf den pinkfarbigen Catwalk, der bis in die ersten Zuschauerreihen ragt. Im beschwingten Model-Schritt präsentiert Silvia Weiskopfs Gudrun mit ihrem coolen Baby Andreas (Christian Kerepeszki) ihre Weisheiten aus der Mode- und Terrorwelt.Typischer Humor der Autorin Jelinek Munter mischt der Regisseur Passagen aus dem knapp 100-seitigem Textkonvolut mit seinen stimmigen Einfällen, ohne dass der Jelinek-Sound verloren geht. Im Wörterstrom verlieren die einsatzfreudigen Mimen nicht den für die Autorin typischen Humor, wohl aber textgetreu den Faden. Da das Publikum nicht mitspielen mag, kommt die Basis in Form der Bühnentechniker zu Wort. Die Zuschauer bleiben auch sitzen, als die Königinnen-Kinder zum Aufstand in den begüterten Stadtteil Bredeney aufbrechen.

Am Ende baumeln die RAF-Heroinnen vom Bühnenhimmel und ein Engel konstatiert, dass die Menschen gleich sind, die sozialen Verhältnisse aber nicht. - Langer Applaus für eine überzeugende Inszenierung und das wunderbare Ensemble.Termine: 28.10., 18./26.11.; Karten: Tel. (0201) 8 12 22 00.

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