Razzia wegen Terrorverdachts: Freilassung aller Verdächtigen angeordnet

Terrorverdacht

Als in Essen ein Tadschike durch eine Fußgängerzone fährt, klingeln bei der Polizei die Alarmglocken: Ist das der Auftakt zu einem Terroranschlag?

Essen, NRW

30.03.2019, 13:33 Uhr / Lesedauer: 2 min
Spaziergänger laufen über die Rheinpromenade in Düsseldorf. In der Nähe der Kunstakademie soll es Festnahmen gegeben haben.

Spaziergänger laufen über die Rheinpromenade in Düsseldorf. In der Nähe der Kunstakademie soll es Festnahmen gegeben haben. © dpa

Anti-Terror-Einsatz in Essen: Sechs Polizisten in Zivil, aber mit Sturmhauben nehmen einen Verdächtigen fest. „Sie haben ihm die Augen verbunden“, erzählt eine Nachbarin am Tag danach. Erst habe sie gedacht, es sei eine Filmszene, doch dann seien immer mehr Beamte gekommen.

Nicht nur in Essen. Noch in neun anderen Städten Nordrhein-Westfalens und im baden-württembergischen Ulm durchsucht die Polizei am Freitag und Samstagmorgen „Objekte“. Insgesamt elf Männer nimmt sie fest, mutmaßliche Islamisten im Alter von 22 bis 35 Jahren überwiegend tadschikischer Nationalität.

Gruppe steht schon länger unter Beobachtung

Der schlimme Verdacht: Sie sollen etwas zu tun haben mit der Vorbereitung eines Terroranschlags. Unter den elf sind auch ein Deutscher und ein Türke.

Das Ermittlungsverfahren läuft offenbar schon länger: Ermittelt wird dabei gegen eine Gruppe von mindestens sechs Personen wegen des Verdachts der Vorbereitung einer schweren staatsgefährdenden Gewalttat, sagt der Sprecher der Generalstaatsanwaltschaft Düsseldorf, Daniel Vollmert, am Samstag. Dort ist die Zentralstelle Terrorismusverfolgung Nordrhein-Westfalen (ZenTer NRW) angesiedelt, die den Hut aufhat. Die verdächtigten sechs seien unter den elf Festgenommenen.

Die Razzia blieb erfolglos, die Freilassung der elf Verdächtigen wurde angeordnet

Die Polizei wirft der Gruppe vor, sich entweder als Zelle der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) oder als deren Sympathisanten Waffen und Sprengstoff verschafft zu haben. Damit hätten sie einen Anschlag in Deutschland geplant. Hinweise auf konkrete Ziele oder eine konkrete Tat gebe es jedoch nicht, betont der Sprecher. Es gebe aber eine „grundsätzliche allgemeine Befürchtung“.

Mehrere hundert Beamte durchsuchen Objekte auch in Düsseldorf, Wuppertal, Mönchengladbach oder Duisburg. Darunter sind auch Wohnungen. An mehreren Orten kommen Spezialkräfte zum Einsatz. Auch Sprengstoffspürhunde sind dabei.

Allein: Die Hunde finden keinen Sprengstoff. Und Waffen auch nicht. Und so fehlt am Ende der dringende Tatverdacht, den es für einen Haftbefehl braucht. In der Folge wird noch am Samstag die Freilassung aller elf Verdächtigen angeordnet.

Auslöser für den Großeinsatz war die Irrfahrt eines 19-jährigen Tadschiken in der Essener Innenstadt am Freitag. „Da hatte man die Befürchtung, dass das vielleicht der Auftakt ist für mehrere Anschlagsszenarien“, sagt der Behördensprecher weiter. Dies habe sich aber nicht bestätigt. Zwischen beidem gebe es keinen Zusammenhang.

Ermittlung wegen versuchter Tötung gegen Raser

Der polizeibekannte 19-Jährige war am Freitagmorgen mit seinem Wagen durch eine Fußgängerzone der Essener Innenstadt gefahren. Mit „deutlich überhöhter Geschwindigkeit“, wie die Polizei schrieb. Spezialkräfte nahmen den Mann später fest. Ermittelt wird wegen versuchter Tötung. Verletzt wurde niemand. Warum der junge Mann dort mit einem Wagen fuhr, blieb am Samstag offen.

„Das war der Grund, dass die Durchsuchungsaktion am gestrigen Tage angelaufen ist, um sicherzustellen, dass die Verdächtigen in unserem Tatkomplex nicht tatsächlich an dem Tag etwas umsetzen“, sagt Vollmert weiter. Es habe zwar nicht den Verdacht gegeben, „dass die eine Amokfahrt planen. Aber es gibt ja genügend Beispiele für terroristische Anschläge unter Verwendung eines Kraftfahrzeugs.“ In dem Moment sei nicht auszuschließen gewesen, dass der Tadschike in Essen Teil der Gruppierung gewesen sei.

dpa

Schlagworte:
Lesen Sie jetzt