Regie setzt in "Maria Stuart" auf Gebrüll und Gerenne

Schauspielhaus Bochum

Mit viel Gebrüll und Gerenne – untermalt von einem düsteren Elektro-Klangteppich – hat Heike M. Götze Friedrich Schillers Trauerspiel „Maria Stuart“ auf die Kammerbühne des Bochumer Schauspielhauses gebracht. Die Regisseurin hat nicht nur für eine spannungsarme Inszenierung gesorgt, sodass einige Zuschauerstühle bei der Premiere am Samstag nach der überflüssigen Pause leer blieben, sondern auch die Ausstattung besorgt.

BOCHUM

24.09.2017, 16:30 Uhr / Lesedauer: 1 min
Königinnen im Streit: Maria Stuart (Johanna Eiworth) und Elisabeth (Bettina Engelhardt)

Königinnen im Streit: Maria Stuart (Johanna Eiworth) und Elisabeth (Bettina Engelhardt)

Gespielt wird in einem abstrakten Raum, der aus zwei die Bühne füllenden Treppen aus schwarzen Paletten besteht. So beginnt die Aufführung mit einem ausgiebigen Gerenne und Gehopse von Johanna Eiworths Maria Stuart in diesem dunklen Nirgendwo, diese Art von Leerlauf gibt es am Abend noch öfter.

Stoisch ins Publikum blicken dazu die sechs Männer, sie stecken in entindividualisierenden einfarbigen Hemd-Hosen-Kombis und werden meist im Chor sprechen. Ab und an tritt einer aus der Herren-Masse heraus, gibt aber durch Stotterei, übertriebene Mimik und Gestik nur mehr die Karikatur von einem Intriganten, Berater oder Liebhaber ab.

Machtpoker unter Königinnen

Als Individuen setzt die Regie nur die beiden Königinnen in diesem Tragödien-Mix aus Erotik, Politik und Religion in Szene, auch wenn die Regentinnen in ähnlichen, viel nackte Haut zeigenden Morgenmänteln agieren. Die lebenslustigere Maria sinnt auf Rache und wird ihre Gegenspielerin bei ihrem Zusammentreffen demütigen. Bettina Engelhardt gibt eine Elisabeth mit melancholischem Blick, sie weiß, dass sie ihre Gegenspielerin Maria hinrichten lassen muss, um ihre Stellung abzusichern.

Doch am Ende verlieren beide den Machtpoker um die Krone: Bei der letzten Waschung legen sie die Beichte im Duett ab. Schon zuvor ließ die Regie die Monologe der Herrscherinnen zum Teil von der anderen lautlos mitsprechen. Geläutert, aber vernichtet. Wohlwollender Applaus für die zwei Rivalinnen und die Männer-Crew.

Termine: 27. 9., 6. / 13. / 28. 10; Karten: Tel. (0234) 33 33 55 55.