Reinhard Mey auf Erinnerungsreise

Philharmonie Essen

ESSEN. Es muss einsam sein, dort unten. Ganz allein steht Reinhard Mey inmitten von knapp 2000 Besuchern in der seit Monaten ausverkauften Philharmonie Essen. Das sanfte, helle Flirren der Saiten, das sonore Surren seiner Stimme, die gute Miene zu einer Welt, die immer wieder Grund zu Leid und Traurigkeit gibt - mehr braucht der Barde nicht, die Herzen zu rühren.

von Von Max Florian Kühlem

, 23.10.2011, 17:35 Uhr / Lesedauer: 1 min
Reinhard Mey rührte sein Publikum beim Konzert in Essen.

Reinhard Mey rührte sein Publikum beim Konzert in Essen.

Seit zwei Jahren liegt Meys Sohn im Wachkoma. Eine Tragödie, die der 68-Jährige auf der Bühne nicht zum Thema macht, die jedoch mitschwingt. Sie liegt wie eine unfassbare Traurigkeit hinter allen Gesten, Reden und Liedern. Mey ist kaum komödiantisch, altbekannte Nummern wie "Annabelle" spart er aus. Er zeigt sich nachdenklich, spürt dem Verlorenen nach.Kraft der Musik

Gleich zu Anfang beschwört er die Kraft der Musik: "Gib mir Musik" leitet eine Erinnerungsreise ein in die Tage, als der Sänger für eine Currywurst und ein Bier auftrat. Dass sein Traum nicht erstarb, dafür sorgte Antje mit ihrem Imbiss in Berlin und einem großen Herz für mittellose Musiker. "Antje" vom neuen Album "Mairegen" ist eine von vielen Oden auf verlorene Sehnsuchtsorte.Stehende Ovationen

Das ist oft poetisch, darin steckt ein wenig Proust, aber auch das altväterliche Früher-War-Alles-Besser. Das größtenteils in Würde mit gealterte Publikum nickt jedoch einig mit dem Kopf, wenn Mey sich etwa beschwert, dass keine Liebesbriefe mehr geschrieben werden, sondern nur noch SMS in den Äther geschickt. Er wird weiter Liebesbriefe schreiben, seinen Leidenschaften und seinem Leiden alle Zeit der Welt einräumen. Nach drei Stunden ehrt ihn das Publikum mit stehenden Ovationen. 

Die NRW-Konzerte in 2011 sind bereits ausverkauft.

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