Reisebüro-Chef prellt hunderte Kunden und brennt durch – Schaden geht in die Hunderttausende

mlzGericht in Recklinghausen

Regelrechte Tumulte hatte es in Herten gegeben, als der Inhaber eines Reisebüros im Sommer hunderte Kunden um ihren Urlaub prelle und ins Ausland flüchtete. Jetzt kommt ihn das teuer zu stehen.

Recklinghausen, Herten

, 11.02.2020, 18:15 Uhr / Lesedauer: 2 min

Jahrelang war der Ruf seines Ladens erstklassig, jetzt führt seine Reise ins Gefängnis: Ein früherer Reisebüroinhaber (39) aus Herten ist am Dienstag in Recklinghausen wegen gewerbsmäßigen Betrugs verurteilt worden. Mindestens 222 Kunden waren von dem Angeklagten bitter im Stich gelassen worden.

Mit seiner kurzzeitigen Flucht ins Ausland hatte der Reisebüroinhaber im Sommer 2019 weit und breit für Aufregung, Wut und Enttäuschung gesorgt. Die betroffenen Kunden, darunter zahlreiche Familien und Stammkunden, hatten sich auf ihren Sommerurlaub gefreut – und waren dann von einem Moment auf den anderen jäh aus ihren Träumen gerissen worden.

Poizeieinsatz bei Geschäftsschließung

Als von einem Tag auf den anderen plötzlich ein Schild „Aus gesundheitlichen Gründen haben wir vorübergehend geschlossen“ in der Scheibe des Hertener Geschäftslokals angebracht worden war, war es zu regelrechten Tumulten und einem Polizeieinsatz gekommen.

Im Prozess vor dem Schöffengericht räumte der 39-jährige Angeklagte sofort alles ein. „Es tut mir von ganzem Herzen leid. Ich habe das wirklich nicht gesehen gehabt, dass es so weit gekommen ist. So ein Mensch bin ich nicht“, beteuerte der Angeklagte. Und er versprach sogar: „Ich bemühe mich wirklich, den Leuten ihr Geld zurück zu zahlen. Und wenn es mein ganzes Leben dauert, ich werde mir Mühe geben.“

Statt die überwiegend mit Bargeld im Vorfeld bezahlten Reisen für seine Kunden bei den Reise- und Flugveranstaltern zu buchen, will der 39-Jährige mit dem Geld Löcher in seiner Buchhaltung gestopft haben.

Verteidiger: „Aus falschem Stolz“

Der Betrieb des Reisebüros sei ihm irgendwann über den Kopf gewachsen, hieß es. „Er hat es aus falschem Stolz aber einfach nicht geschafft, einen Schlussstrich zu ziehen, sondern immer weiter mit Fremdgeld hantiert“, sagte sein Verteidiger. In dieser Beziehung sei der Angeklagte einfach ein „grottenschlechter Kaufmann“ gewesen.

Laut Urteil beläuft sich der Mindestschaden auf 269.000 Euro. Fest steht aber auch: Mehr als 100 weitere mögliche Betrugsfälle sind bereits im Vorfeld von der Staatsanwaltschaft eingestellt worden, so dass der tatsächliche Schaden noch weitaus höher ausfallen dürfte.

„Haftsstrafe unumgänglich“

Das Gericht würdigte in der Urteilsbegründung das Geständnis des Angeklagten. Auch, dass der Familienvater sich im Juli 2019 freiwillig bei der Polizei gestellt habe, sei sicher ein Punkt der für ihn spreche.

Allerdings, so die Richter im Urteil, habe der 39-Jährige insgesamt das Vertrauen so vieler Kunden enttäuscht und einen so hohen Schaden angerichtet, dass „die Verhängung einer Haftstrafe unumgänglich“ gewesen sei. Mit dem Urteil von zwei Jahren und neun Monaten Haft blieben die Richter drei Monate unter der Forderung der Staatsanwaltschaft. Die Verteidigung hatte auf eine Bewährungsstrafe (maximal zwei Jahre Haft) gehofft.

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