„Rinaldo“ ist ein zauberhafter, barocker Spaß um die Liebe

Oper Dortmund

Belcanto-Gesang verbinden wir meist mit den Opern von Donizetti und Bellini. Dass er im Barock erfunden worden ist, zeigt der Dortmunder Opernintendant Jens-Daniel Herzog in Händels "Rinaldo". Einhellig begeistert war das Premierenpublikum am Samstag im Dortmunder Opernhaus - nicht nur wegen des schönen Gesangs.

DORTMUND

, 10.01.2016, 14:14 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Bösen: Zauberin Armida (Eleonore Marguerre) und König Argante (Gerardo Garciacano)

Die Bösen: Zauberin Armida (Eleonore Marguerre) und König Argante (Gerardo Garciacano)

Im Mozart-Ton, sehr sorgfältig ausgeformt, legt Kapellmeister Motonori Kobayashi die Barockoper an. Obwohl die Dortmunder Philharmoniker im höher gefahrenen Graben musizieren, klang das Orchester zwar präsent, aber trotzdem sanft. Und mit vier Trompeten- und drei Blockflöten-Solisten, Theorbe und Cembalo überaus farbig. Da fegten die Orchesterstürme nicht gleich alles beiseite wie Rinaldo in seiner Sturmarie.

Buster-Keaton-Pantomime

Die inszeniert Herzog im Theater Dortmund mit einem von vielen witzigen Regieeinfällen: In einer Pantomime wie im Buster-Keaton-Film, wirbeln Rinaldos Koloraturen alle Figuren durcheinander.

Im dritten Akt sieht man eine ähnliche Szene, mit Schattenfiguren, wenn Zauberin Armida sich mit fünf Zirzen an ihrem untreuen Geliebten Argante rächen will. Und im ersten Akt scheint die Zeit in einem eindrucksvollen Zeitlupenspiel stillzustehen, als Rinaldo seine entführte Verlobte Almirena sucht.

Herzog choreografiert die Oper, lässt zehn Tänzer die Figuren umschwirren - auch mit Agenten-Koffern der Geschäftsleute, die in einer Flughafen-Lounge (tolles Bühnenbild von Christian Schmidt mit Rolltreppen und Fahrstühlen auf der Drehbühne) eine Kriegsstrategie ausbaldowern, die zum Liebesverwirrspiel wird.

Belcanto und Koloratur

Gesungen wird in der Aneinanderreihung von fast 40 Arien auf dem in Dortmund bekannt hohen Niveau: Mezzo Ileana Mateescu singt das "Cara sposa" anrührend schön und ist ein koloraturstarker Rinaldo. Eleonore Marguerre zaubert als Armida mit der Stimme und lebt lustvoll die Rolle der verführerischen Hexe, die Gestalt von vielen Figuren annimmt.

Tamara Weimerich darf als Almirena den berühmtesten Hit der Oper "Lascia ch’io pianga" singen und beeindruckt mit lupenreinem Belcanto-Gesang. Gerardo Garciacano ist ein Argante mit biegsamem, fein geführten Bariton. Counter Jakob Huppmann singt mit leisem, aber kultiviert geführtem Falsett.

Kurzweilig ist die amüsante Inszenierung, die in Zürich und Bonn meist ausverkauft war und drei Stunden mit vielen Überraschungen glänzend unterhält.

Termine: 24./29.1., 6./ 14./18./28.2.; Karten: Tel. (0231) 5027222.

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