RKI-Berechnungen: Wann sind Lockerungen ohne Überlastung der Intensivstationen möglich?

Coronavirus

Wissenschaftler des Robert-Koch-Instituts haben berechnet, welchen Einfluss Impfungen auf das Infektionsgeschehen haben könnten - und wann Lockerungen vorgenommen werden dürfen.

Berlin

03.04.2021, 06:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Zurzeit sind Lockerungen nach Einschätzung des RKI noch zu riskant.

Zurzeit sind Lockerungen nach Einschätzung des RKI noch zu riskant. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Schleppender Kampagnenstart, nicht erreichte Impfziele und das Hin und Her bei Astrazeneca: Das Impfen in Deutschland geht nur langsam voran. Nur knapp 10 Prozent der deutschen Bevölkerung haben bislang eine erste Impfdosis erhalten. Immerhin: Nach Ostern impfen auch die Hausärzte. Und der Immunschutz nach einer Impfung scheint hoch zu sein. Wann können Bürgerinnen und Bürger also mit einer Rückkehr zu einem „Leben vor der Pandemie“ rechnen?

Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) haben nun berechnet, wie Impfungen das Infektionsgeschehen beeinflussen – und wann zumindest etwas mehr Normalität möglich sein könnte.

Berechnung bezieht B.1.1.7 und Curevac-Impfstoff mit ein

Dabei analysierten die Wissenschaftler, welchen Einfluss Kontaktreduktionen in Form von Lockdowns auf die kurzfristige Entwicklung des Infektionsgeschehen haben. In einem zweiten Schritt wurde die mittelfristige Entwicklung bei Öffnungen und einer zumindest anteiligen Rückkehr zum präpandemischen Leben berechnet.

Einbezogen wurden neben bereits verimpften oder zugelassenen Vakzinen von Biontech/Pfizer, Moderna, Astrazeneca und Johnson & Johnson auch der Impfstoff von Curevac, der laut RKI ab dem 1. Juni zugelassen werden könnte. Auch die britische Coronavirus-Variante B.1.1.7 und saisonale Effekte wurden berücksichtigt.

Früher Lockdown, späte Lockerungen

Die Ergebnisse sind eindeutig: Nur eine möglichst frühe weitere Kontaktreduktion ab dem 5. April um die Hälfte gegenüber dem Niveau vor der Corona-Krise überlastet das Gesundheitssystem nicht direkt. Die intensivmedizinischen Kapazitäten werden in dieser Berechnung dann erst knapp vier Wochen nach Ende der Kontaktreduktionen überschritten. Auch die Zahl der Todesfälle lasse sich mit dieser Strategie am stärksten reduzieren.

Erst ab dem 1. Juni führt eine 20-prozentige Rückkehr zur Zahl der Kontakte vor der Krise allerdings nicht mehr zu einer zu hohen Auslastung der intensivmedizinischen Kapazitäten. Bei früheren und weitreichenderen Öffnungen werden die Kapazitätsgrenzen laut RKI in jedem Fall überschritten. Auch bestehe weiterhin die Möglichkeit, dass sich in bereits geimpften Altersgruppen bei einer zu starken Rückkehr des Kontaktverhaltens trotz hoher Impfquoten Menschen infizieren und einen schweren Krankheitsverlauf entwickeln.

Vorsichtige Lockerungen erst ab Mai

Besonders problematisch seien die hohen Infektionszahlen zu Beginn der dritten Corona-Welle. Trotz der Impfung von etwa 10 Prozent der Bevölkerung mit mindestens einer Dosis sei die Impfkampagne noch nicht so weit vorangeschritten, um das Infektionsgeschehen wesentlich zu beeinflussen, so die Experten.

Zum aktuellen Zeitpunkt könne daher nur durch eine möglichst frühe und umfassende Reduktion der seit März wieder gestiegenen Kontakte in der Bevölkerung eine Überlastung der Istkapazitäten vermieden werden. Intensivmedizinische Kapazitäten nicht zu überlasten, könne nur gelingen, wenn Lockerungen vorsichtig erst ab Mai durchgeführt werden. Weiter empfiehlen die Experten eine sukzessive Steigerung des Grades der Lockerungen bis in den Spätsommer, wenn ein Großteil der Bevölkerung geimpft ist.

RND

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