Rosenmontagszüge in Köln und Düsseldorf zeigen klare Kante gegen Rechts – Kölner Dom weint

Karneval im Rheinland

Das Kanzlerrennen in der CDU, Coronavirus und natürlich Trump - die Themen der großen Rosenmontagszüge in NRW sind in diesem Jahr vor allem politisch. Ein Thema aber überwiegt vor allem.

Köln

24.02.2020, 11:36 Uhr / Lesedauer: 2 min
Der Motivwagen "Uns Hätz schleiht för Hanau" zum Anschlag von Hanau fährt mit beim Rosenmontagszug.

Der Motivwagen "Uns Hätz schleiht för Hanau" zum Anschlag von Hanau fährt mit beim Rosenmontagszug. © picture alliance/dpa

In Köln weint der Dom, Düsseldorf zeigt den Rassismus als tödliche Waffe: Die Karnevalshochburgen beziehen in den Rosenmontagszügen deutlich Position gegen Rechtsextremismus. Bis zur letzten Minute hatten die Wagenbauer an den politischen Mottowagen gearbeitet.

Das Wetter macht dem Treiben keinen Strich durch die Rechnung: Nachdem am Sonntag zahlreiche Umzüge wegen drohender Orkanböen abgesagt wurden, rechnete der Deutsche Wetterdienst zum Höhepunkt des Straßenkarnevals am Montag nur mit schwachen Windböen.

Allerdings: Ihren Regenschirm sollten Jecken dabeihaben, denn der Kölner Rosenmontagszug ist um 10 Uhr im leichten Regen gestartet, in Düsseldorf geht es um 12.14 Uhr los.

„Karneval ist bunt, nicht braun“

„Uns Hätz schleiht för Hanau“ - unser Herz schlägt für Hanau, steht auf dem Kölner Mottowagen. Die Wagenbauer haben ihren Dom auf einem Motivwagen mit hängenden Turmspitzen und Tränen im Auge dargestellt. „Karneval ist bunt, nicht braun!“, sagte Zugleiter Holger Kirsch der Deutschen Presse-Agentur. „Mit dem zusätzlichen Wagen gleich zu Beginn des Rosenmontagszuges wollen wir an die Opfer der schrecklichen Tat von Hanau erinnern und zugleich ein Zeichen für Toleranz und Weltoffenheit setzen.“

Guido Cantz, viele Jahre schon Botschafter des Kölner Karnevals, findet das gut: "Wir Karnevalisten haben alle eine Meinung, gerade zu so was. Und deshalb ist es toll, dass die Kölner so schnell reagiert haben. Es ist das richtige Zeichen zu Beginn des Rosenmontagszuges.“

Ein Kölner Wagen zeigt den Kölner Dom, der Tränen vergießt und ein großes rotes Herz in den Händen hält. Darauf steht: „Uns Hätz schleiht för Hanau“ - unser Herz schlägt für Hanau.

„Politische Werte im Kern angegriffen“

Die Düsseldorfer Wagenbauer stellen den Rassismus als Pistole dar, die aus dem Mund eines Mannes mit hochrotem Kopf ragt. Auf seiner Wange steht: „Aus Worten werden Taten!“ An der Seite stellen die Jecken um Wagenbauer Jacques Tilly den Kontext zu rechtsextremen Taten her: „NSU, W. Lübcke, Halle, Hanau“. „Unsere politischen Werte werden in ihrem Kern angegriffen, das kann der Düsseldorfer Karneval nicht verschweigen“, hatte der Düsseldorfer Wagenbauer Jacques Tilly im Vorfeld angekündigt.

In weiteren Mottowagen stellten die Düsseldorfer den Machtkampf in der CDU als Sackhüpfen zwischen Jens Spahn, Friedrich Merz, Armin Laschet und Norbert Röttgen dar. Bei der SPD schwenken die SPD-Vorsitzenden Saskia Esken und Norbert Walter-Borjans ganz in Schwarz-Weiß ihre Fähnchen - Motto: „Wir bringen wieder Farbe in die SPD.“ Im braunen Sumpf in Thüringen heben FDP und CDU den rechten Arm von Björn Höcke zum Hitlergruß. Dem grimmigen Coronavirus zeigt ein fröhlicher „Carnevals-Virus“ eine lange Nase.

Trump als Filmfigur „Joker“

Die Kölner Motivwagen zeigen die Abgeordneten im britischen Unterhaus als Skelette in einer Brexit-Debatte oder US-Präsident Donald Trump als Filmfigur Joker.

Mit den Rosenmontagszügen erreicht der Straßenkarneval seinen Höhepunkt. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) rechnete nach dem Sturm-Wochenende landesweit zwar mit vielen Wolken und Regen. Die Windböen seien mit etwa 50 Kilometern pro Stunde aber „kein Vergleich“ zu Sturmtief „Yulia“ am Sonntag, sagte ein DWD-Experte. Auch frieren müssen die Jecken bei Temperaturen zwischen 10 und 13 Grad nicht.

Am Sonntag hatten Sturmböen zur Absage vieler Karnevalsumzüge geführt, unter anderem der Schull- un Veedelszöch in Köln. In Düsseldorf wurde das beliebte Kö-Treiben abgesagt.

dpa

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