Saint-Saëns-Rarität "Samson et Dalila": Bibelstoff erntet Sonderbeifall

GELSENKIRCHEN Sein "Karneval der Tiere", seine Sinfonien und Klavierkonzerte werden in aller Welt gespielt. Aber dass Camille Saint-Saëns (1835-1921) sechzehn Opern geschrieben hat, weiß kaum jemand. Von ihnen erscheint heute, wenn auch selten, nur noch "Samson und Dalila" auf einem Spielplan - und dies, obwohl das musikalisch enorm beeindruckende Stück eher oratorische als opernhafte Qualitäten besitzt.

von Von Heinz-Albert Heindrichs

, 23.03.2009, 17:06 Uhr / Lesedauer: 1 min
Saint-Saëns-Rarität "Samson et Dalila": Bibelstoff erntet Sonderbeifall

Für die Griechin Anna Agathonos ist die Dalila zur Traumrolle geworden.

Ein Oratorium in der Nachfolge Händels und Mendelssohns sollte das Werk, an dem der Komponist über zehn Jahre feilte, zunächst auch werden. Und um dem Stoff und der grandiosen Musik gerecht zu werden, bietet sich eine konzertante Aufführung als beste Lösung an. So ist die Rarität nun auch in Gelsenkirchens Musiktheater im Revier zu erleben, und das Premierenpublikum war von der musikalischen Dichte dieser konzertanten Aufführung tief beeindruckt. Der biblische Stoff spielt in Gaza um 1150 v. Chr.: Samson, mit übermenschlichen Kräften begabt, verhilft den Israeliten zum Sieg über die Philister. Zuvor aber war Dalila, die Hohepriesterin der Philister, die ihn nun hasst, seine Geliebte. Indem sie ihm Liebe vortäuscht, gelingt es ihr, Samson das Geheimnis seiner Kraft zu entlocken und ihn so zu entmachten. Beim Siegesbachanal der Philister fleht Samson seinen Gott um Hilfe an: er erlangt für einen Augenblick seine Stärke zurück, reißt den Tempel ein und erschlägt damit alle Feinde, aber auch sich selbst.

Rein auf die Qualität der Musik ausgerichtet GMD Heiko Mathias Förster gelingt mit der Neuen Philharmonie Westfalen, dem vorzüglich besetzten Solisten-Ensemble sowie dem von Christian Jeub studierten Chor eine intensive Aufführung, die rein auf die Qualität der Musik ausgerichtet ist - und es ist gut, ihre Bildhaftigkeit nicht zu inszenieren, sondern sie im Kopf des Hörers entstehen zu lassen.

Die größte Aufgabe mutet Saint-Saëns seiner Dalila zu: Sie muss Liebe heucheln, während sie doch hasst. Für die Griechin Anna Agathonos ist sie zur Traumrolle geworden, mit der ihr der überzeugende Durchbruch ins Charakterfach gelingt. Um sie her ein erstklassiges Männerensemble: Der brasilianische Tenor Ricardo Tamura (Samson), der norwegische Bass Björn Waag (Oberpriester), der deutsche Bass Michael Tews (als Satrap von Gaza. Und, mit Sonderbeifall, der Chor.

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