Saisoneröffnung mit „Freudentränen“

Dortmunder Philharmoniker

Es war bemerkens- und ehrenwert, dass Alexander Prushinskiy, Konzertmeister der Dortmunder Philharmoniker, ausgerechnet das Violinkonzert von Alban Berg ausgewählt hat als Solist im ersten Philharmonischen Konzert Dienstag und Mittwoch im Konzerthaus Dortmund. Ein Werk, in dem ein Geiger nicht vordergründige, virtuose Bravour zeigen kann, sondern die inneren Werte, die diese Musik im "Andenken eines Engel" hat.

DORTMUND

, 16.09.2015, 10:07 Uhr / Lesedauer: 1 min
Saisoneröffnung mit „Freudentränen“

Geiger Alexander Prushinskiy war Solist im ersten Philharmonischen Konzert.

Völlig unaufgeregt und ruhig, technisch und im Ausdruck souverän, höchst differenziert und gar nicht spröde spielte der 34-jährige Russe dieses Requiem für Manon Gropius, das auch Bergs Schwanengesang wurde.

Und das Orchester unter Leitung von Generalmusikdirektor Gabriel Feltz begleitete noch aufmerksamer und konzentrierter, weil der Solist ein Kollege aus den eigenen Reihen war. Eine Bach-Zugabe hätte man sich von Prushinskiy als Zugabe nach dem Choral-Schlusssatz noch gewünscht.

"Liebes-Gefühls-Rausch"

"Liebes-Gefühls-Rausch" ist das Saisonmotto der Dortmunder Philharmoniker, "Freuden-Tränen" war das Motto des ersten Konzerts, in dem zwei Tschaikowsky-Werke den Rahmen bildeten. Wilde Winde ließ Feltz zu Beginn im "Sturm" durch den Saal toben. Und zeigte auch, dass diese sinfonische Dichtung keine Gewitter-Illustration, sondern die eines Dramas (von Shakespeare) ist. Kampf, Rausch und Ekstase hörte man am Schluss in der Fantasie-Ouvertüre "Romeo und Julia".

Feltz und sein Orchester sind inzwischen eine Einheit, die nicht nur auftrumpft, sondern auch hohe Qualitäten im leisen Spiel entwickelt hat. Ausgezeichnet spielte Feltz in Schuberts "Unvollendete" mit dem Saal, dessen Akustik besonders hervorragend ist, wenn ein Orchester den Mut hat, so leise zu spielen.

Klänge aus dem Nichts

Die Celloklänge zu Beginn der Sinfonie ließ Feltz eindrucksvoll aus dem Nichts entstehen und schattierte Pianoklänge auch im zweiten Satz ganz wunderbar. Wie viel das Orchester an Spielkultur in den zwei Jahren, in denen der 44-jährige Berliner Chef am Pult ist, dazugewonnen hat, hörte man in der Schubert-Sinfonie und dem Berg-Konzert besonders gut.

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