Sascha Bisley liest "Zurück aus der Hölle"

Premiere im Schauspielhaus

500 Zuschauer - ausverkauft. Für eine Buchpremiere. Der Dortmunder Autor Sascha Bisley hat am Donnerstagabend im Schauspielhaus sein autobiografisches Werk "Zurück aus der Hölle" vorgestellt. Bisley schenkte sich und dem Publikum einen intensiven Abend mit Leseproben über eine kaputte Jugend. Hier unsere Schnellkritik.

DORTMUND

, 05.03.2015, 22:48 Uhr / Lesedauer: 2 min

Sascha Bisley, aufgewachsen im Sauerland und mittlerweile wohnhaft in der Dortmunder Nordstadt, hat sich mit seinem Blog und auf Lesebühnen in und um Dortmund über die vergangenen vier Jahre eine treue Anhängerschaft geschaffen. Und die kam zahlreich, als er im Schauspielhaus den vorzeitigen Höhepunkt seines bisherigen Schaffens vorstellte.

"Zurück aus der Hölle" ist ein autobiografisches Buch, dass Bisleys Schuld am Tod eines Menschen an den Anfang und den Umgang damit in den Mittelpunkt stellt. Sascha Bisley war 19 Jahre alt, als er zusammen mit einem Freund und 3,3 Promille im Blut einen Obdachlosen so heftig zusammenschlug, dass der an den Folgen starb. Bisley schien unbelehrbar, brauchte die Gewalt, um zu existieren. Bis ihn diese eine Nacht ins Gefängnis brachte.

So hat es uns gefallen: 

Sascha Bisley ist bekannt für skurrile, teils absurd-komische Texte und Lesungen. Das hat in den vergangenen Jahren für Lesungen vor vollen Rängen gesorgt. Oft ging er unter lautem Gejohle von der Bühne. Was Bisley aber im Schauspielhaus von seiner Lebensgeschichte preisgab, sorgte für heftige Schluckreflexe in den Kehlen der Zuhörer.

Die Auszüge aus seinem Buch - ob die Verhaftung nach der Tatnacht, das Spielen mit der Nachbarstochter als Sechsjähriger oder die ersten Tage im Gefängnis - die Zuschauer sahen einen selbstgefälligen Halbstarken ohne Schuldbewusstein, ein unschuldiges Kind, einen verängstigten Jungen vor sich. Bisleys Sprache ist direkt und kompromisslos - und sie erzeugt mitunter verstörende Bilder im Kopf. Er ruft kein Mitgefühl hervor, eher Bedauern darüber, dass es erst zum Tod eines Menschen kommen musste, um einen neuen zu schaffen.  

So hat es den Zuschauern gefallen:

Özge Cakirbey (Dortmund): "Ich wurde eingeladen, wusste erst kurz vorher, um was es eigentlich geht. Ich konnte mir das gar nicht vorstellen. Ich fand es sehr mutig von Sascha Bisley, dass er so einen tiefen Einblick in sein Leben gewährt."

David Wieland (Iserlohn): "Das Publikum hat vielleicht mit was Lustigem gerechnet - nicht damit, dass er nun die Scheiße erzählt, die in seinem Leben passiert ist. Es war ein gutes Gefühl, dass die Leute mit Verständnis reagiert haben. Ich finde es gut, wenn das Buch Sascha hilft, sich selbst zu verzeihen."

Anne Zimmermann (Dortmund): "Es hat mich berührt, aber ich gehe mit einem gemischten Gefühl aus dem Abend. Ich muss über die ganze Sache erstmal nachdenken. Es war heftig."

Sascha Bisley liest einen Auszug aus seinem Buch