Schauspieler Jim Parsons: „Haben mit der Angst gelebt, geoutet zu werden“

Big Bang Theory

Big-Bang-Theory-Star Jim Parsons ist als Fiesling in der neuen Netflix-Serie „Hollywood“ zu sehen. Im Interview spricht er über die Schwierigkeiten für homosexuelle Schauspieler und die Corona-Krise.

Berlin

von Dierk Sundermann/RND

, 04.05.2020, 18:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Jim Parsons, der durch das Format "Big Bang Theory" bekannt wurde, ist nun in einer neuen Serie zu sehen.

Jim Parsons, der durch das Format "Big Bang Theory" bekannt wurde, ist nun in einer neuen Serie zu sehen. © picture alliance/dpa

Jim Parsons ist einer der fiesesten Typen in Hollywood. Wie bitte? Das kann doch auf den beliebten Superstar aus „The Big Bang Theory“ nicht zutreffen. Also gut: Jim Parsons spielt einen der fiesesten Typen in seiner neuen Serie „Hollywood“ (seit 1. Mai auf Netflix zu sehen).

Als Künstleragent Henry Willson, eine Power-Figur im Showbusiness der 40er-Jahre, baut er gut aussehende Männer, die aus der Provinz kommen und auf eine Filmkarriere hoffen, zu Stars auf. Wie Rock Hudson, den der ebenfalls homosexuelle Willson zwang, zum Schein seine Sekretärin Phyllis Gates zu heiraten. Jim Parsons‘ Rolle in „Hollywood“ beginnt mit einer Schockszene: Willson stellt Hudson bei dessen Vorstellungsgespräch vor die Alternative: Oralsex oder Rausschmiss ...

Homosexuelle Schauspieler hatten es früher besonders schwer.

Ja, sie haben mit der Angst gelebt, geoutet zu werden. Es war ein solches Tabu, dass ihre Karriere vorbei gewesen wäre. Du hattest keine andere Wahl, als Sex heimlich zu haben und der Karriere zuliebe etwas vorzuspielen. Ich kann mir vorstellen, wie schrecklich einsam das Leben für diese Männer und Frauen gewesen ist. Einfach traurig!

Wie war der Übergang von der Darstellung des „Big Bang Theory“-Lieblings zum Ekelpaket Henry Willson in „Hollywood“?

Es war befreiend, insbesondere die körperliche Verwandlung durchzumachen. Ich habe eine Menge Zeit im Schminkstuhl verbracht. Ich habe jedes Mal eine Glatzenperücke, Zahnprothesen und braune Kontaktlinsen getragen, wenn ich vor die Kamera trat.

Sheldon war zwar sarkastisch, aber nie widerwärtig.

Ja, Henry hingegen hat eine Menge abartiger Dinge getan und viele Menschen verachten ihn dafür. Sie sehen ihn als Teufel und als den schlimmsten Teil ihres Lebens an. Ich habe Empathie für ihn empfunden. Viel von seinem Verhalten basierte darauf, dass er seine Sexualität und seine Gelüste unterdrücken musste.

Sind Sie als junger Schauspieler auch an Leute wie Willson geraten?

Nein, an keinen, der so schlimm wie er war. Gott sei Dank habe ich ziemlich schnell Jobs bekommen und bin nicht in irgendwelche schwierigen Lagen geraten. Im Nachhinein sehe ich, wie viel Glück ich gehabt habe.

„Big Bang Theory“ wird als eine der erfolgreichsten Sitcoms aller Zeiten in die Fernsehgeschichte eingehen. Wie schwierig ist es, weiterzumachen, wenn man quasi auf dem Zenit war?

Man lebt und wird älter. Und je älter man wird, desto weniger macht man sich wirklich über solche Dinge Sorgen. Ich schätze es, weiterhin die Chance zu bekommen, mich in neuen Rollen beweisen zu können. Neue Herausforderungen zu haben und andere Seiten in mir zu erkunden ist mir wichtig.

Wann wussten Sie, dass Sie Schauspieler werden wollten?

Nachdem ich mit zehn Jahren mit meiner Familie im Kino war und „Tootsie“ mit Dustin Hoffman gesehen habe. Es war völlig ausverkauft und die Atmosphäre war wunderbar. Wie alle um mich herum gelacht und einfach den Film genossen haben, das hat einen tiefen Eindruck auf mich hinterlassen.

Mal eine ganz andere Frage, da wir ja per Videokonferenz reden, wo sind Sie eigentlich gerade?

In New York. Also nicht in der Stadt, sondern im Bundesstaat New York in meinem Haus.

Wie sehen Sie die Lage?

Wir gehen gerade durch etwas, was keiner so hat kommen sehen. Viele Menschen haben Existenzängste. Und für mich ist das Schlimmste an der ganzen Situation, dass niemand von uns wirklich weiß, was als Nächstes passieren wird. Selbst wenn wir eines Tages wieder aus unseren Häusern kommen dürfen, wird es psychisch noch lange dauern, bis wir das alles verarbeitet haben.

In Hollywood herrscht gerade Stillstand...

… und niemand weiß, wann wir wieder zurück zur Arbeit gehen dürfen. Es scheint gerade unvorstellbar zu sein, wieder am Set zu stehen oder gar in einer Szene jemanden zu umarmen oder küssen zu müssen. Ich wünschte, ich wüsste, wann alles wieder normal ist. Aber die kurze Antwort ist: Ich habe keine gottverdammte Ahnung!

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