Schüsse auf SEK-Beamte: Angeklagter habe „völlig überreagiert“

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Ein Mann aus Gladbeck schießt aus seiner Wohnung heraus auf SEK-Beamte. Jetzt steht er vor Gericht und sagt, dass alles eigentlich nur ein Missverständnis gewesen sei.

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, 01.04.2020, 16:45 Uhr / Lesedauer: 2 min

Erst splitterten Fenster und Türen, dann fielen Schüsse: Vor vier Monaten hat ein neunfacher Familienvater aus Gladbeck aus seiner Wohnung heraus das Feuer auf SEK-Beamte eröffnet. Seit Mittwoch steht der 51-Jährige vor Gericht – und spricht von einem Missverständnis. „Er hat überreagiert“, sagte sein Verteidiger Matthias Meier den Richtern am Essener Schwurgericht. Der Angeklagte habe im ersten Moment gedacht, dass er selbst überfallen werde. Später sei ihm jedoch klar gewesen, dass es tatsächlich Polizeibeamte waren, auf die er gerade schieße.

Videos mit Todesdrohungen

Es war der 4. Dezember 2019, um sechs Uhr morgens: Das SEK war angerückt, um die Wohnung des Angeklagten nach Waffen zu durchsuchen. Im Internet sollen Videos mit Todesdrohungen aufgetaucht sein. Doch kaum hatten die Spezialkräfte die Tür und ein Fenster eingeschlagen, fielen auch schon die ersten Schüsse.

Laut Anklage hat der 51-Jährige vor allem auf zwei Beamte gezielt. Einer stand im Garten, einer vor dem Fenster eines Anbaus. Auch die lauten Rufe „Polizei“ sollen ihn nicht davon abgehalten haben, weiter zu schießen. Sechs Mal drückte er insgesamt auf den Abzug – in zwei Salven. Erst als das Magazin seiner halbautomatischen Pistole leer gewesen sei, habe er sich ergeben.

Angeklagter wurde eigentlich von der Polizei beschützt

Kurios: Die Polizei hatte den 51-Jährigen zuvor eher als Opfer eingeschätzt und war seit Tagen stündlich vor seinem Haus Streife gefahren. Hintergrund ist ein offenbar erbitterter Streit mit zwei Familien aus Holland und Berlin. Von dort soll der Gladbecker ebenfalls mit dem Tode bedroht worden sein. Es gibt angeblich Videos mit Botschaften wie diesen: „Wir kommen vorbei. Dann kommst Du ins Grab. Die Särge stehen schon bereit.“

Um sich und seine Familie zusätzlich zu schützen, will sich der Angeklagte schließlich eine Waffe besorgt haben. Sie lag in einem Fach im Wohnzimmertisch. „Er war in einer mentalen Ausnahmesituation“, so sein Verteidiger. Alles sei dramatisch schnell gegangen. Er habe falsch reagiert und wisse auch, dass er die Beamten hätte töten können.

Beamter durch Streifschuss leicht verletzt

Tatsächlich war ein Beamter damals durch einen Streifschuss leicht verletzt worden. Ihm will der 51-Jährigen 2500 Euro Schmerzensgeld zahlen. Das hat er zum Prozessauftakt erklärt. Eine Anzahlung von 500 Euro hatte er sogar schon bar dabei. Übergeben konnte er sie dem SEK-Beamten jedoch nicht, weil er vor Gericht wohl nicht aussagen wird, um nicht erkannt zu werden.

Die Anklage der Staatsanwaltschaft lautet auf versuchten Totschlag. Nach seinem Geständnis erwarten den Gladbecker vier bis sechs Jahre Haft. Das haben ihm die Richter bereits zugesichert.

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