Schulstart mit viel Pragmatik - Der neue Alltag für NRW-Schüler nach den Ferien

Coronavirus

Der erste Schultag nach den Herbstferien ist in NRW mit neuen Regeln gestartet. Viele davon sind pragmatisch von Schülern und Lehrern aufgenommen worden. Dennoch hofft man auf klare Konzepte.

Düsseldorf

26.10.2020, 12:30 Uhr / Lesedauer: 2 min
Seit Montag (26. Oktober) gelten für den Unterricht an NRW-Schulen neue Regeln. Neben regelmäßigem Lüften müssen auch Masken getragen werden.

Seit Montag (26. Oktober) gelten für den Unterricht an NRW-Schulen neue Regeln. Neben regelmäßigem Lüften müssen auch Masken getragen werden. © picture alliance/dpa

Nach zwei Wochen Herbstferien sind rund 2,5 Millionen Schüler in Nordrhein-Westfalen am Montag unter verschärften Corona-Bedingungen wieder in die Schule gestartet. Wichtigste Änderung: Schüler ab der 5. Klasse müssen auch im Unterricht wieder eine Mund-Nasen-Bedeckung tragen. In der kälter werdenden Jahreszeit müssen sich die Schüler zudem warm anziehen: Durch regelmäßiges Lüften soll das Ansteckungsrisiko minimiert werden.

Nach Einschätzung des Lehrerverbandes Bildung und Erziehung (VBE) erlebten viele Schüler und Lehrer den Schulstart mit „mehr als gemischten Gefühlen“. „Ähnlich wird es auch den Eltern gehen, die ihre Kinder in die Schulen schicken“, sagte der VBE-Landesvorsitzende Stefan Behlau am Morgen bei WDR5. Die einzigen Lösungsvorschläge der Politik angesichts rapide steigender Corona-Infektionszahlen seien das Lüften der Klassenräume und in weiterführenden Schulen das Tragen von Masken.

Defizite reichen weit zurück

„Corona zeigt sehr deutlich, wo die Defizite nicht nur der Gegenwart, sondern auch der Vergangenheit sind“, so Behlau. „Es ist viel zu wenig in die schulische Bildung investiert worden.“ Dies betreffe das Personal und auch die Schulgebäude. Schüler und Lehrer müssten das nun ausbaden.

Schulministerin Yvonne Gebauer habe sich nach dem ersten Schultag zufrieden gezeigt, berichtete der WDR bei Twitter. „Was ich bis dato von den Schulen zurückgemeldet bekommen habe, ist durchweg positiv“, sagte die FDP-Politikerin demnach im Interview mit dem Sender.

Über einen pragmatischen Umgang mit den Maßnahmen in der Schülerschaft und im Kollegium berichtete exemplarisch Lutz Hamann, Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Realschule in Gütersloh: „Die Akzeptanz fast aller Schüler ist sehr, sehr groß“, sagte er mit Blick auf die Maskenpflicht im Unterricht.

Was die Vorgaben zum regelmäßigen Lüften betreffe, seien seine Schüler „pflegeleicht“: „Es gibt Klassen, da werden dann eben Decken mitgebracht, damit man nicht friert“, sagte Hamann. Viele Schüler behielten am Montag auch kurzerhand ihre Jacken an, wenn vorschriftsmäßig stoßgelüftet wurde.

Schulleiter fordert eindeutige Regeln

Grundsätzlich habe er sich gefreut, seine Schüler wieder begrüßen zu können. Damit auch angesichts steigender Ansteckungsrisiken der Schulbetrieb laufen könne, wünscht er sich mehr Spielraum beim Umgang mit Verdachtsfällen: „Lieber mal ein Kind für wenige Tage online unterrichten als eine ganze Klasse oder Jahrgangsstufe zwei Wochen lang“, erklärte er.

Er hoffe außerdem, dass die Landesregierung im weiteren Verlauf der Pandemie Regelungen und Konzepte frühzeitiger als bisher anschiebe. Auf viele Probleme habe er bereits im August hingewiesen, Lösungen wurden dann erst jetzt realisiert: „Es war schon erschreckend, dass ich beim Umgang mit Behörden immer mal wieder den Eindruck hatte, dort glaubt man, Corona sei vorbei“, sagte Hamann.

Maskenpflicht bis zu den Weihnachtsferien

In ein ähnliches Horn stieß der Lehrerverband: Man erhoffe sich Ansagen, wie „es denn jetzt wirklich weitergeht“. Weitere Schritte - wie ein angeordneter Schichtbetrieb - müssten vorbereitet werden. Gegen Corona würde sich der VBE zudem kleinere Lerngruppen wünschen - dafür gebe es aber nicht genug Lehrkräfte.

Die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht ab der 5. Klasse soll zunächst bis zu den Weihnachtsferien am 22. Dezember gelten. Im Schulgebäude und auf dem -gelände gilt sie weiterhin landesweit an allen über 5500 Schulen - also auch für Grund- und Förderschüler der Primarstufe. Plexiglasvisiere werden als Alternative nicht akzeptiert.

Lehrer müssen immer dann Maske tragen, wenn sie den Mindestabstand von 1,5 Metern nicht einhalten können. Wenn es der Unterricht erfordert, können sie sie zumindest zeitweise ablegen - etwa beim Demonstrieren des „th“ im Englischunterricht.

dpa

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