Seit erstem Corona-Toten starben 110.000 Menschen aus anderen Gründen

mlzCoronavirus in Deutschland

Bisher sind in Deutschland 4.879 Menschen am Coronavirus gestorben. Ist das viel? In der gleichen Zeit seit 9. März dürften bei uns rund 110.000 Menschen aus anderen Ursachen gestorben sein.

Dortmund

, 22.04.2020, 16:46 Uhr / Lesedauer: 2 min

Am 9. März 2020 gab es die ersten beiden Corona-Toten in Deutschland. Ein 78-jähriger Mann aus dem Kreis Heinsberg und eine 89-jährige Frau aus Essen starben. Sie hatten beide erhebliche Vorerkrankungen und sich mit dem Coronavirus infiziert.

Seit diesem Tag sind in Deutschland bis Mittwoch (22. April) – also innerhalb von 45 Tagen - 4.879 Menschen an der durch das Virus ausgelösten Lungenkrankheit Covid 19 gestorben. Das klingt nach viel, aber: Ist das auch viel? Wie sind die Vergleichszahlen? Wie viele Menschen sterben eigentlich Tag für Tag in Deutschland und woran?

Im Schnitt mehr als 935.000 Tote im Jahr

Im Statistischen Bundesamt laufen alle Zahlen zusammen, die in Deutschland zu haben sind. Unter anderem werden dort auch die Todesfälle gezählt. 2019 starben demnach bei uns insgesamt 935.292 Menschen. Das ist weder besonders viel noch besonders wenig bei rund 83,1 Millionen Einwohnern.

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Im Durchschnitt der vergangenen fünf Jahre liegt die Zahl der jährlichen Toten in Deutschland bei 931.708 und damit bei durchschnittlich 2.552 Toten an jedem Tag. Vom 9. März bis zum 22. April kommt man so auf geschätzte 114.868 Tote insgesamt, wovon eben 4.879 Menschen als Corona-Tote gelten. Das wären dann rund 4,3 Prozent aller Todesfälle in Deutschland.

„Keine Hinweise auf Übersterblichkeit“

Rein zahlenmäßig betrachtet löst das Coronavirus bisher noch keine größeren Ausschläge aus. Das Statistische Bundesamt schreibt dazu: „Die ersten vorläufigen Daten für das Jahr 2020 geben aktuell noch keine Hinweise auf eine Übersterblichkeit durch Covid19 mit auffälligen Abweichungen nach oben.“ Das Wort Übersterblichkeit bedeutet, dass aus einem bestimmten Grund mehr Menschen sterben als üblicherweise.

Zudem, so das Statistische Bundesamt, gebe es in den ersten Monaten eines Jahres immer Schwankungen, die vor allem auf die unterschiedliche Intensität der jährlichen Grippewelle zurückzuführen seien.

182.452 Grippefälle in diesem Winter

Wie das Robert-Koch-Institut berichtet, ist die aktuelle Grippewelle seit Mitte März beendet. In diesem Winter gab es 182.452 Influenza-Fälle. 16 Prozent von ihnen - also etwa 29.000 Menschen - wurden wegen Grippe im Krankenhaus behandelt. 434 Todesfälle wurden offiziell eingetragen, wobei diese Zahl immer im Spätherbst aktualisiert wird und dann jeweils deutlich höher ausfällt. Der Grund: Auf dem Totenschein wird in den seltensten Fälle Grippe als Ursache eingetragen, sondern da steht dann Herzversagen, allgemeines Organversagen, Lungenentzündung oder ähnliches.

Für das Jahr 2017, in dem mit 932.272 etwa ebenso viele Menschen starben wie zuletzt 2019, haben die Statistiker auch detaillierte Zahlen zu den Todesursachen zusammengetragen. Es sind die aktuellsten Zahlen, die derzeit zu erhalten sind. Die häufigste Todesursache (37 Prozent) war demnach bei 344.524 Menschen eine Herz-/Kreislauferkrankung. Im Schnitt starben daran an jedem Tag 944 Menschen.

28.663 Männer sterben an Lungen- und Bronchialkrebs

An zweiter Stelle der Todesursachen (25 Prozent) stehen Krebserkrankungen. An Krebs starben 2017 insgesamt 227.590 Menschen, im Schnitt also 624 pro Tag. Bei den gestorbenen Männern war dabei der Lungen- und Bronchialkrebs mit 28.663 Fällen die am häufigsten diagnostizierte Krebsart, bei Frauen war dies der Brustkrebs mit 18.396 Fällen.

4.879 Menschen starben bisher also offiziell am Coronavirus. Ob sich das irgendwann in einer messbaren Quote der „Übersterblichkeit“ niederschlägt, ist aktuell nicht absehbar. Andererseits wird Prof. Lothar Wieler, Chef des Robert-Koch-Instituts, nicht müde zu betonen, dass es eine hohe Dunkelziffer bei den Corona-Toten gebe, denn: Nicht jeder Gestorbene sei zuvor auf das Virus getestet worden. Das wäre dann etwa so wie im Fall der Grippe, wo die Dunkelziffer ebenfalls deutlich höher ist als die Zahl der durch ein Labor bestätigten Todesfälle.

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