Seit mehr als einem Jahr keine Infektion: Ein Dorf trotzt Corona

Coronavirus

Seit 14 Monaten gab es in Lieg, ein 400-Seelen-Dorf in Rheinland-Pfalz, keine einzige Corona-Infektion. Laut Bürgermeister Heinz Zilles liege das an „Glück“ und disziplinierten Bürgern.

Hannover

25.04.2021, 08:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Lieg, eine 400-Seelen-Gemeinde im Hunsrück-Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz, gab es seit unglaublichen 14 Monaten keine einzige Corona-Neuinfektion, wie die Deutsche Welle (DW) berichtet (Symbolbild).

In Lieg, eine 400-Seelen-Gemeinde im Hunsrück-Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz, gab es seit unglaublichen 14 Monaten keine einzige Corona-Neuinfektion, wie die Deutsche Welle (DW) berichtet (Symbolbild). © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild

Die Zahl Null ist selten so erstrebenswert wie in Corona-Zeiten. Null Neuinfektionen, Inzidenz bei null – einfach null Corona, das klingt wie ein weit entfernter Traum in der Zukunft. Doch ein Dorf in Deutschland hat genau das geschafft. In Lieg, einer 400-Seelen-Gemeinde im Hunsrück-Mittelgebirge in Rheinland-Pfalz, gab es seit 14 Monaten keine einzige Corona-Neuinfektion, wie die Deutsche Welle (DW) berichtet.

Wie hat Lieg es geschafft, das Virus quasi gar nicht erst ins Dorf zu lassen? Der Bürgermeister, Heinz Zilles, zeigte sich gegenüber DW dankbar für die Lage: „Wir haben ein riesengroßes Glück bislang gehabt, natürlich ist das immer noch eine Momentaufnahme. Vielleicht haben wir auch einen Schutzengel da oben, der sagt, wir lassen dieses Dorf in Ruhe.“ Was also, außer einer Portion Glück, ist das Geheimrezept?

Einkaufsservice und selbst gekaufte Raumluftfilter

„Das, was die Politik oft proklamiert, aber nicht umsetzt, das nehmen wir selbst in die Hand“, so Zilles. Im Dorf würden sich die Menschen kennen und aufeinander aufpassen: „Wir haben eine tolle Dorfgemeinschaft, viele ehrenamtliche Helferinnen und Helfer, die sofort da sind und anpacken.“ Alle würden sich als „Teil des Teams Lieg“ sehen und mitmachen.

Und das zeigt beispielsweise am Einkaufsservice „Jung für Alt“, das die Jugend aus Lieg in kürzester Zeit umsetzte. Ein Team schaue immer wieder, mit kleinen Präsenten im Gepäck, bei den älteren Menschen vorbei, und die Eltern der Grundschule sammelten Geld für zwei Raumluftfilter.

Jetzt lesen

Und: „In Lieg gibt es keinen einzigen Corona-Leugner“, versichert Zilles. Die Menschen hielten sich an die Regeln, seien vernünftig, diszipliniert, und „akzeptieren, dass wir es mit einer weltweiten Pandemie mit einer sehr großen Tragweite zu tun haben“, so der Bürgermeister.

Am Ende will wahrscheinlich niemand der Erste sein, der das Coronavirus nach Lieg bringt. Der Medienrummel um das „Wunder von Lieg“ könne dabei helfen, dass bei den Menschen etwas hängen bleibe, vermutet Zilles.

Örtliche Feuerwehr organisiert Testzentrum

Ab Samstag gibt es in Lieg außerdem einmal die Woche Corona-Tests. In der kleinen Hunsrück-Halle können sich alle Bewohner Nachmittags zwischen 15 und 17 Uhr einmal die Woche testen lassen, ihr Ergebnis erhalten sie ein paar Minuten später. Auch in dem Testzentrum zeigte sich der Geist des Zusammenhalts, denn organisiert hat das alles die örtliche Feuerwehr um Hauptfeuerwehrmann Daniel Platten.

„Als die Menschen davon gehört haben, war die Resonanz durchweg positiv. Niemand hat gesagt, ich nehme das nicht wahr, im Gegenteil. Die Menschen sind froh, so ein Testzentrum direkt vor Ort zu haben“, so Platten. So werden jeden Samstag acht Feuerwehrleute zusammen mit dem Roten Kreuz testen, ob die Marke Null gehalten wird.

„Wir sehen das nicht als Wettbewerb“

Sollte die Zahl der Neuinfektionen bis in den Spätsommer bei Null bleiben, wird das laut Bürgermeister Zilles wortwörtlich gefeiert: „Wenn wir es tatsächlich schaffen, ohne Corona-Infektionen aus der Pandemie herauszukommen, steigt hier ein riesiges Dorffest.“

Jetzt lesen

Doch Zilles weiß mit dem Glück, das er und seine Bürger haben, verantwortungsvoll umzugehen: „Wir sehen das nicht als Wettbewerb, um Gottes willen. Es kann auch immer passieren, dass wir die Null nicht halten können, da kann dann auch niemand was dafür.“

RND

Schlagworte: