"Selma": Die Waffe von Martin Luther King ist das Wort

Neu im Kino

"Selma" ist der erste Kinofilm über Martin Luther King und die Bürgerrechtsbewegung. Die Handlung umreißt die Wochen vor dem legendären Marsch von Selma nach Montgomery in Alabama. Der Film betreibt natürlich vorhersehbare Ikonen-Malerei und Denkmals-Pflege - sehenswert ist "Selma" trotzdem.

17.02.2015, 12:59 Uhr / Lesedauer: 2 min
David Oyelowo (M.) als Martin Luther King in dem Film »Selma«

David Oyelowo (M.) als Martin Luther King in dem Film »Selma«

In einer Kirche detoniert eine Bombe, die vier Mädchen tötet. Eine Frau will sich ins Wählerverzeichnis eintragen und wird vom zuständigen Beamten aufs Übelste gedemütigt. Szenen vom Leben und Sterben der Farbigen im Süden der USA.

Bilder prügelnder Polizisten

Wir schreiben das Jahr 1965. Ein Mann schart die liberalen Aktivisten hinter sich, um dem System der Willkür ein Ende zu machen und das verbriefte Wahlrecht der Schwarzen einzufordern. Erstaunlich, dass es noch keinen Film über Martin Luther King gab – bis Ava DuVernay „Selma“ drehte, der am Donnerstag in die Kinos kommt.

Der Trailer zum Film:

Die Handlung umreißt eine kurze Spanne aus Kings Leben, die Wochen vor dem legendären Marsch von Selma nach Montgomery in Alabama. Bilder prügelnder Polizisten, pöbelnder Rednecks und friedlicher Demonstranten gingen um die Welt.

Charismatisch, souverän, glaubhaft

Dr. King ist der Mann, der kühlen Kopf bewahrt. Ein Stratege, der Allianzen schmiedet, den zaudernden Präsidenten Johnson (Tom Wilkinson) unter Druck setzt, der begnadete Redner, der mit dem Pathos des Predigers seine Anhänger auf das große Ziel einschwört: Gleiche Rechte für alle. David Oyelowo spielt Martin Luther King: charismatisch, souverän, glaubhaft.

Perfekte Imitation

Kings Waffe ist das Wort, und Oyelowo imitiert Kings Diktion, Kunstpausen, Sprachbilder perfekt, bis ins kleinste Beben der Stimme. Dabei darf er nicht einmal O-Ton reden. Kings Erben haben die Rechte an getreuen Zitaten an Steven Spielberg verkauft.

 

Macht nichts, auch die Paraphrase überzeugt. Carmen Ejogo ist als Kings Frau Coretta zu sehen, Cuba Gooding Jr. ist dabei und Oprah Winfrey. Sie spielen mehr oder minder die zweite Geige, doch eines wird klar: Kings Mut speist sich aus einem „Familien“-Verband.

Porträt der Kampfzeit

Sicher, „Selma“ betreibt vorhersehbare Ikonen-Malerei und Denkmals-Pflege. Ein Gutmensch pflastert den Weg für kommende Generationen. In seiner Identitätskrise blickt Amerika auf das, was die Nation erreicht hat. Dieser Film hat trotzdem seinen Wert - als Porträt der Kampfzeit, im Triptychon mit Alan Parkers „Mississippi Burning“ und Spike Lees „Malcolm X“.

Der Song aus dem Soundtrack zum Film, John Legend ft. Common - Glory: