Seniorin stirbt nach Unfall an Bushaltestelle: Fahrer muss in Haft

mlzGerichtsprozess

Ein 34-jähriger Familienvater fährt mit vollem Tempo auf eine Bushaltestelle zu und trifft dabei eine Seniorin, die später stirbt. War der Fahrer dabei voll schuldfähig?

Bochum

, 15.07.2020, 19:50 Uhr / Lesedauer: 1 min

Mehr als eineinhalb Jahre nach der dramatischen Autofahrt in eine Menschenmenge mit einer Toten in Recklinghausen hat der Bundesgerichtshof (BGH) jetzt das Urteil gegen den Unfallfahrer bestätigt. Der Familienvater aus Herten hat damit vergeblich versucht, in der Revision eine noch mildere Strafe zu erkämpfen.

Das Bochumer Schwurgericht hatte den 34-Jährigen am 27. September 2019 wegen fahrlässiger Tötung zu drei Jahren Haft plus einer vierjährigen Führerschein-Sperre verurteilt. Die Richter waren nach mehrmonatiger Verhandlung sicher überzeugt, dass der psychisch vorerkrankte Autofahrer bei voller Schuldfähigkeit am 20. Dezember 2018 die Kontrolle über seinen Ford Focus verloren hat und mit Tempo 37 an einer Haltestelle im Zentrum von Recklinghausen in „zufällig und schicksalhaft“ dort an dem Wartehäuschen stehende und sitzende Passanten gefahren war. Eine 88-jährige Seniorin war dabei tödlich verunglückt.

Rechtlich einwandfrei

Vom ursprünglichen Mordvorwurf durch Verwenden eines Autos als Waffe war die Staatsanwaltschaft wieder abgerückt. Der 34-Jährige war auch bereits während des laufenden Prozesses aus der Psychiatrie entlassen worden. Da der Familienvater „absichtlich und im vollen Bewusstsein“ vor Fahrtantritt Schlafmittel eingenommen habe, sei das Geschehen aber vergleichbar mit einem tödlichen Unfall durch einen betrunkenen Autofahrer, hatte es in der Urteilsbegründung geheißen.

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Das Verteidiger-Duo Jens Tuschhoff und Siegmund Benecken hatte mit Blick darauf, dass dem Familienvater trotz anderslautender Vorgutachten keine verminderte Schuldfähigkeit zugebilligt worden ist, Revision eingelegt. Der 4. BGH-Senat jedoch stufte jetzt das Bochumer Urteil als rechtlich einwandfrei ein. Die verhängte Haftstrafe ist damit rechtskräftig, die sechs Monate in der vorläufigen Psychiatrie-Unterbringung sind anzurechnen.

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