Sexueller Missbrauch von Kindern: Priester arbeitete trotz Haftstrafe weiter im Ruhrgebiet

Erschütternder Fall

Ein Priester hat trotz einer Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern weiter in der Seelsorge gearbeitet – u.a. in Städten im Ruhrgebiet. Die Kirche will die Verantwortlichen nennen.

Köln

12.11.2019, 15:21 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sexueller Missbrauch von Kindern: Priester arbeitete trotz Haftstrafe weiter im Ruhrgebiet

Verurteilt wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern - dennoch arbeitete ein Priester in NRW weiter in der Seelsorge. © picture alliance / dpa

Ein Priester des Erzbistums Köln ist trotz einer Haftstrafe wegen sexuellen Missbrauchs von Kindern weiter in der Seelsorge tätig geblieben. Heute sei der 85-Jährige im Ruhestand, teilte das Erzbistum Köln am Dienstag mit.

Der Mann wurde den Angaben zufolge 1972 wegen „fortgesetzter Unzucht mit Kindern und Abhängigen“ zu einer Haftstrafe verurteilt und 1988 wegen sexueller Handlungen an Minderjährigen zu einer Bewährungsstrafe.

Dies hielt die katholische Kirche jedoch nicht davon ab, ihn weiterhin als Seelsorger einzusetzen. Im Laufe seiner Priesterlaufbahn wirkte er unter anderem in Köln, Essen, Bocholt, Recklinghausen, Moers und Bochum.

„Wie konnte man ihn erneut in einer Pfarrei einsetzen?“

Der Interventionsbeauftragte des Erzbistums Köln, Oliver Vogt, zeigte sich erschüttert. „Wie konnte man einen Priester, der sich des Missbrauchs schuldig gemacht hat, dennoch weiter in der Seelsorge arbeiten lassen?“, fragte er der Mitteilung zufolge. „Wie konnte man ihn erneut in einer Pfarrei einsetzen?“

Die Verantwortlichen würden nach Abschluss der Untersuchungen namentlich genannt. „Sie haben große Schuld auf sich geladen und den Täterschutz und das Ansehen der Institution über den Schutz der Betroffenen gestellt“, kritisierte Vogt.

Rechtsanwaltskanzlei untersucht verschiedene Fälle

Das Erzbistum Köln hat Anfang dieses Jahres eine Rechtsanwaltskanzlei in München damit beauftragt, alle Fälle von sexuellem Missbrauch aus dem Erzbistum zu untersuchen. Im Fall des heute 85-jährigen Priesters seien der Kanzlei auch die Akten der beiden anderen betroffenen Bistümer Münster und Essen zur Verfügung gestellt worden.

dpa

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