Shakespeare in Gebärden

Kultur für Behinderte Menschen

NRW Ein Konzert hören, ein Theaterstück anschauen, Kunst genießen - für die meisten Menschen ist das selbstverständlich. Aber nicht für alle. Auch viele seh- und hörbehinderte Menschen wollen nicht auf das gemeinsame Kulturerlebnis verzichten. Welche Angebote aber gibt es in unserer Region für sie?

von Von Inga Wolter

, 03.03.2011, 19:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
In Gebärdensprache lässt sich auch Theater übersetzen.

In Gebärdensprache lässt sich auch Theater übersetzen.

Ein einzigartiges Projekt für blinde und sehgeschädigte Menschen hat das Musiktheater im Revier (MiR) in Gelsenkirchen in diesem Winter gestartet: die Hör.Oper. Auf 36 Plätzen können Besucher das Bühnengeschehen per Kopfhörer verfolgen. Ein Sprecher, der im Theatersaal in einer Tonkabine sitzt, kommentiert die Handlung live.Gebärden-Theater "Die Audiodeskription ist so konzipiert, dass sie die Szene nicht stört", erklärt Christoph Nagler, Pressereferent des Musiktheaters. Bis jetzt gab es zwei Vorstellungen - und die waren voll ausgebucht. Gehörlose Menschen können das Bühnengeschehen zwar verfolgen, aber die Dialoge nicht verstehen - es sei denn, die Schauspieler präsentieren diese in Gebärdensprache. Das bieten seit 2008 die Darsteller des "Gehörlosen Theatervereins Dortmund e.V." an. Im März (27. und 28.) werden sie Shakespeares "Ein Sommernachtstraum" auf die Bühne bringen. "Zuerst haben wir das Original in eine einfachere Übersetzung gebracht", erklärt Regisseur Peter Feuerbaum. "Dann haben wir es in Gebärdensprache übersetzt." Feuerbaums Großvater gründete in Dortmund das erste deutsche Gehörlosentheater, musste es aber irgendwann aufgeben. Der Enkel belebte den Verein schließlich wieder. Für Hörgeschädigte gibt es in Theatern technische Hilfen, um das Bühnengeschehen in passender Lautstärke zu hören. Im Schauspielhaus Dortmund wird so am Mischpult ein Frequenzbereich freigeschaltet, in dem Besucher per Kopfhörer den verstärkten Ton empfangen können. "In Zukunft würden wir gerne Hörschleifen anbieten und mit Induktionstechnik arbeiten", sagt Daniel Buess, Referent für Bau-, Vertrags- und Vergabemanagement. Mit der können zum Beispiel unterschiedliche Lautstärken leichter ausgeglichen werden.Bücherei für Blinde Blinde Menschen auf der Suche nach Hörfutter können in der Westdeutschen Blindenhörbücherei in Münster fündig werden. Dort können sie so genannte DAISY-Hörbücher und Zeitschriften kostenlos ausleihen. DAISY (Digital Accessible Information System) ist ein MP3-ähnliches Format für Hörbücher. "Die Blindenhörbücherei bedient über 8 000 Kunden in ganz Deutschland und verschickt ihre Päckchen sogar ins Ausland", sagt Geschäftsführer Werner Kale. Kostenlos. Müsste es mehr Angebote für behinderte Menschen geben? Margret Gajewski, Mitarbeiterin der Hör.Oper und blind, sagt: "Wir sind sowieso schon eine kleine Gruppe und die Zahl der Kulturinteressierten darin ist noch geringer." Aber wünschenswert wäre das wohl.

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