Shaun, das Schaf, auf Abenteuerreise in der Großstadt

Im Kino

Wer braucht Rechner und 3D, wenn das Stop Motion-Verfahren Knetfiguren so viel Charme einhaucht wie bei „Shaun das Schaf“? Bristols Aardman Studios („Wallace und Gromit“) demonstrieren hier, dass sie weltweit die erste Adresse für Knet-Animationen sind.

16.03.2015, 16:12 Uhr / Lesedauer: 1 min
Die Frisur sitzt: Shaun, das Schaf, hat sich schön gemacht für die Großstadt.

Die Frisur sitzt: Shaun, das Schaf, hat sich schön gemacht für die Großstadt.

So aufwändig es ist, Bild für Bild kleine Details eine Winzigkeit zu verrücken, bis Bewegung in die Schafe kommt: Das Ergebnis ist bezaubernd und jeder Mühe wert. Weil der Film von Richard Starzak und Mark Burton neben handwerklicher Finesse ein Feuerwerk von Gags zündet. Kinder krähen, Erwachsene kichern. Was will man mehr?

Anders als etwa Disney geht „Shaun das Schaf“ nicht mit Zuckerwatte hausieren, der Witz ist von „robuster“ Drolligkeit und dabei hintergründig. Er spiegelt das Leben, hebt nicht ab ins Wolkenschloss.

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Das Tierheim, wo Shaun einsitzt, ist deprimierend, der Tierfänger ein Sadist. Im Alcatraz für Viecher zeigt die Katze in ihrer Zelle den Wahn eines Hannibal Lecter.

Liebevoll in Szene gesetzt

In der liebevoll in Szene gesetzten Großstadt tummeln sich auch Muslime, der Chefarzt der Klinik könnte ein Pakistani sein. Wir treffen rüde Türsteher, im Nobelrestaurant hält ein Prominenter Hof, den die Fans durchs Fenster ablichten. In dieses realistische Setting platzt eine Herde Schafe, die sich als Menschen kostümieren.

Slapstick-Kapriolen

Shaun ist ihr Anführer. Er ist schuld, dass der Bauer im Wohnwagen den Hof verließ und schlafend in die City rumpelte, wo er sein Gedächtnis verlor. Als Friseur verpasst er den Kunden eine Schafschur, den Bauernhof hat er vergessen. Während die Schweine zuhause Party machen, starten Hofhund Bitzer und die Schafe zu einer Rettungsmission in die Stadt.

Es gibt schöne Slapstick-Kapriolen, die rein visuell, auch pantomimisch entwickelt werden, weil es außer gutturalem Mr. Bean-Gebrabbel keine Dialoge gibt. Schafe singen a-cappella, aus Schrott bauen sie ein trojanisches Pferd. Als musikalisches Leitthema hören wir eine fröhliche Pfeif-Melodie, dazwischen manchen Britrock-Hit.

Ein Film, der vor Ideen überbordet und glänzend unterhält. Viel Seele, viel Herz und noch mehr Fantasie. Sehr zu empfehlen.

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