„Sie weiß von Dir“: Warum Sie diese Netflix-Serie nicht zu Ende gucken sollten

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Seit Tagen ist „Sie weiß von Dir“ in den Top 10 der beliebtesten Netflix-Serien. Das Psychodrama beginnt spannend - und gleitet dann ins Absurde ab.

von Lena Obschinsky

, 24.02.2021, 18:59 Uhr / Lesedauer: 3 min
Eine Netflix-Serie sorgt aktuell für Diskussionen.

Eine Netflix-Serie sorgt aktuell für Diskussionen. © picture alliance/dpa

Die ersten fünf Sekunden einer Serie entscheiden darüber, ob man sie zu Ende guckt – das hat kürzlich Netflix in einer Studie herausgefunden. Doch für das finale Urteil über eine Serie ist ein zufriedenstellendes Ende mindestens genauso wichtig – und die Netflix-Serie „Sie weiß von Dir“ (Originaltitel: „Behind Her Eyes“) lässt viele Zuschauer ratlos zurück.

Dabei fängt der Psychothriller unglaublich stark an. Streamingfans, die zuvor „The Undoing“ oder „You“ geguckt haben, werden von den ersten Folgen begeistert sein. Die sechs Folgen der Miniserie drehen sich um eine Dreiecksbeziehung: Single-Mom Louise (Simona Brown) lernt in einer Bar den attraktiven Psychologen David (Tom Bateman) kennen und verbringt mit ihm einen netten Abend – erster Kuss inklusive.

Freundschaft mit der Frau des Liebhabers

Einige Tage später kommt für Louise das böse Erwachen: David wird nicht nur ihr neuer Chef – er hat ihr auch verschwiegen, dass er seit Jahren verheiratet ist. Scheinbar zufällig stößt Louise eines Tages auf der Straße mit Davids Frau Adele zusammen, die beiden freunden sich an. Adele bittet Louise, ihrem Mann nicht zu erzählen, dass sie sich treffen – er würde es „komisch finden, Privates und Berufliches zu vermischen“. Louise kommt das zwar äußerst ungewöhnlich vor, sie hält aber dicht – und erzählt ihrer neuen Freundin auch nicht, dass sie weiterhin immer tiefer in die Affäre mit deren Ehemann rutscht.

Spannend wird’s, als das Beziehungschaos auffliegt – denn plötzlich merkt Louise, dass nicht nur sie Geheimnisse hatte. Schlägt David seine Frau? Ist Adele psychisch krank und erpresst ihn? Und wie genau ist Adeles bester Freund Rob gestorben? Der Zuschauer wird fast wahnsinnig vor Neugierde, weil die Geschichte mal in die eine, mal in die andere Richtung schwenkt – Spannung pur.

Achtung, Spoiler! Darum sollten Sie „Sie weiß von Dir“ auf Netflix nicht zu Ende gucken

Doch dann nimmt die Geschichte eine merkwürdige Wendung. Louise wird bereits in den ersten Folgen – ähnlich wie Adele – von Albträumen geplagt: eine Gemeinsamkeit, über die sich die beiden in vielen Gesprächen austauschen. Davids Frau zeigt Louise daraufhin mithilfe eines Tagebuchs, wie sie die Träume kontrollieren kann. Sie soll sich mithilfe ihrer Gedanken an Orte versetzen können. So weit, so nachvollziehbar. Nur wenig deutet darauf hin, dass das Ende der Serie dann plötzlich ins Übersinnliche ausgreift.

Denn Adele ist eigentlich gar nicht Adele. Ihr bester Freund Rob, mit dem sie nach dem Verlust ihrer Eltern in einer Psychiatrie war, ist mithilfe sogenannter Astralprojektion in ihren Körper gewechselt. Der drogensüchtige homosexuelle Mann hatte sich immer ein Leben wie das von Adele gewünscht: ein tolles Anwesen, ein Leben ohne Geldsorgen und einen tollen, attraktiven Mann wie David. Kaum in den Körper gewechselt, bringt er die „echte“ Adele – die im Körper von Rob steckt – mit einer Überdosis Heroin um und wirft die Leiche in einen Brunnen.

„Adele“ wechselt erneut den Körper

Als „Adele“ dann merkt, dass sich ihr Traummann plötzlich in die attraktive Louise verliebt, beschließt sie, nun in deren Körper wechseln zu wollen. Das passiert, als die echte Louise bei einem Brand „Adele“ zu Hilfe eilen will. Louise stirbt – und „Adele“ schlüpft in den Körper von Louise. Das Ende zeigt eine glückliche Louise, die ihren David heiratet und mit ihm die Flitterwochen plant.

Kommen Sie noch mit? Nein? Nicht schlimm – damit sind Sie nicht allein. Im Netz finden sich viele Kommentare unter dem Hashtag zur Serie. So schreibt ein User auf Twitter: „Das Ende der Serie ... was, was, was, was?“ Ein anderer: „Ich mochte das Ende nicht ... spannend war‘s trotzdem.“

Und übrigens nicht nur wegen der Serie wurde das Ende viel diskutiert – auch nach dem Erscheinen der Buchvorlage von Sarah Pinborough waren die Leser verwirrt. Damals wurde das Werk sogar bewusst mit dem Hasthag „WTFtheEnding“ (Was zum Teufel ist das für ein Ende?) vermarktet. Ob es eine Fortsetzung gibt, ist bislang unklar. Der Erfolg würde dafür sprechen – eine weitere Buchvorlage gibt es aber nicht.

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