Skandal-Regisseurin ist brav geworden

Schauspiel Dortmund

DORTMUND Eines vorweg: Thirza Brunckens "Aufzeichnungen aus einer Doppelhaushälfte" im Dortmunder Schauspielhaus bietet keinerlei Skandal-Potenzial. In dieser Gesellschaftskritik zeigen die fünf Schauspieler in kleinen Szenen, woran es krankt.

von Von Andreas Schröter

, 25.10.2009, 10:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Christian Higer, Juliane Gruner, Jakob Schneider und Chris Pichler (v.l.) vor Schinkel-Gemälde.

Christian Higer, Juliane Gruner, Jakob Schneider und Chris Pichler (v.l.) vor Schinkel-Gemälde.

Da gibt's die angebliche "Kunstliebhaberin" (Juliane Gruner), deren Kunst-Sachverstand kaum über Kindergartenniveau reicht, da gibt's die Schwestern, die sich einmal so "richtig nett unterhalten" und gar nicht merken, dass nur eine der beiden spricht (Chris Pichler in einem beeindruckenden Monolog) - oder einen Mann (Günther K. Harder), der sich über die zu nah am Gartenzaun gepflanzten Bäume seines Nachbarn (Christian Higer) ärgert: "Es wäre mir egal, wie hoch Ihre Bäume wachsen, wenn es nicht das Gesetz gäbe". Spießigkeit, Hektik, Kommunikations-Unfähigkeit und Selbstüberschätzung sind einige der Themen in Anna Behringers Stück.Unterhaltsam und ästhetisch gelungen

Das hat Thirza Bruncken unterhaltsam und ästhetisch gelungen umgesetzt. Die Schauspieler agieren die ganze Zeit auf und mit Luftpolstersesseln, wodurch Juliane Gruner beweisen kann, dass man selbst mit einem solchen Utensil am Hinterteil noch grazil über die Bühne schweben kann. Das Bühnenbild besteht aus einer Fototapete, die eine idyllische Landschaft zeigt (Karl Friedrich Schinkels Gemälde "Der Morgen") - ein herrlicher Kontrast zum Gezeigten. Schauspielerisch sticht einmal mehr Jakob Schneider hervor - nicht nur als Bauchtänzerin, sondern auch als Regisseur, der sich mit Wagner vergleicht und sich in eine angsteinflößende Rage steigert.

Trotz allem bleibt am Ende dieses Theaterabends ein leicht schales Gefühl zurück: Muss ein solches Stück nicht mehr bieten, als eine bloße Zustandsbeschreibung von altbekannten Gesellschaftsdefiziten, gibt es keine Lösungen, und ist wirklich alles so schlimm? Darauf gibt das Stück selbst eine Antwort: "Wer noch Hoffnung hat, ist schlecht informiert."

  • Weitere Termine: 29. Oktober, 8., 22. November, 4. Dezember, 15., 23. Januar, 24. März
  • Karten: 5027222 
  • www.theaterdo.de
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