"Stabat Mater" rührte fast zu Tränen

"Marien-Zeitinsel"

Von den "Zeitinseln", den kleinen Festivals im Konzerthaus Dortmund, geht ein besonderer Zauber aus: Diese Konzerte sind wie eine Insel im Musikalltag. Das Publikum, das sich darauf einlässt, ein Thema so zu vertiefen, ist stets sehr begeistert. So war es auch bei den drei Konzerten zum ersten religiösen Thema eines Festivals, der "Marien-Zeitinsel".

DORTMUND

von Von Julia Gaß

, 18.03.2012, 11:25 Uhr / Lesedauer: 1 min
<p>Alessandro de March leitete das "Stabat Mater" von Scarlatti und am Samstag die "Marienvesper". <p></p> Coddington</p>

<p>Alessandro de March leitete das "Stabat Mater" von Scarlatti und am Samstag die "Marienvesper". <p></p> Coddington</p>

Höhepunkt war zwischen Mariehymnus am Donnerstag und Marienvesper von Monteverdi am Samstag der Vergleich von drei "Stabat Mater"-Vertonungen am Freitag. Dreimal fast die selben Strophen, dreimal sehr unterschiedliche Musik: Die Entwicklung von Musik vom 15. bis ins 18. Jahrhundert zeigte die Gegenüberstellung. Für eine Schola, acht Stimmen a cappella, hat Josquin Desprez relativ schlicht sein "Stabat Mater" in nur 18 Strophen geschrieben. Das Dufay Ensemble gab diesem frühen Werk tiefen Ausdruck.Scarlattis Klangwelt

Schon eine ganz andere Klangwelt tat sich in Scarlattis "Stabat Mater" auf: Kunstvoll, mit Vokalstimmen, die wie Instrumente geführt waren, klang diese, vom Balthasar-Neumann-Chor- und -Orchester unter der Leitung von Alessandro de Marchi impulsiv gesungene Barockmusik.Pergolesi und Mozart

Tiefsten Eindruck hinterließ das Stabat Mater von Pergolesi, in dem die Tür zum galanten, empfindsamen Stil schon weit offen steht. Und auch Mozart muss dieses Werk genau gekannt haben: Frappierend ähnlich klingt sein 55 Jahre später komponiertes Requiem der ersten und letzten Strophe des von Riccardo Minasi dirigierten Pergolesi-Werks.Ausdrucksstarke Solisten

Rebecca Olvera (Sopran) und Franco Fagioli (Altus) rührten als ausdrucksstarke Solisten das Publikum fast zu Tränen. Es ist sehr selten, dass frühbarocke Musik das Publikum so tief beeindrucken kann.

Wer sich wunderte, was die beiden Männer, die während aller Konzerte auf der Treppe an den Orchestereingängen standen, machten: Sie sind nach einer neuen Brandschutzverordnung vorgeschrieben, wenn mehr als zehn Musiker auf der Bühne sind.

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