Stadtfelds wilder Bach und junger Mozart

Konzerthaus Dortmund

Als Bach-Interpret ist Martin Stadtfeld mit drei Echo-Klassik-Preisen ausgezeichnet worden. Auf seiner neuen CD widmet sich der 35-jährige Starpianist aus Herne dem jungen Mozart. Am Mittwoch zeigte er im Konzerthaus Dortmund, wie eng sich Mozarts und Bachs Musik verzahnen lassen.

DORTMUND

, 18.01.2016, 14:27 Uhr / Lesedauer: 1 min
Martin Stadtfeld im Konzerthaus Dortmund.

Martin Stadtfeld im Konzerthaus Dortmund.

Nahtlos fügte Stadtfeld ein eigenes Choralvorspiel über ein Thema von Bach, ein dreistimmiges Ricercare des Thomaskantors und zwei c-Moll-Werke von Mozart (Fantasie und Sonate) aneinander.

Und das funktionierte hervorragend: atmosphärisch dicht klang dieser Bogen über Werke aus knapp 40 Jahren - wenn man Stadtfelds eigenes Werk in der Bach-Zeit verortet. Denn komponiert hat es der Pianist im Bach-Stil.

Und der 35-Jährige ist ein toller Komponist: Seine Bearbeitung der Chaconne aus Bachs Violin-Partita nach der Pause war ein großartiges Werk - hochvirtuos, ein wenig durch die Liszt-Brille transkribiert, kraftvoll und am Schluss mit silbrigem Klang gespielt. Fast schöner als das Original.

Innerlich heldenhaft

Stadtfelds Mozart ist ebenso aufregend wie sein Bach. Aus dem Geiste des Barock interpretierte er Fantasie und Sonate des Salzburgers und nach der Pause besonders kontrastreich das "Londoner Skizzenbuch". Stimmungsvoll und sanglich klang das in den langsamen Sätzen, rasant schnellen Abschnitten.

Bach klingt bei Stadtfeld stets gradlinig und intelligent strukturiert, aber auch frisch, sehr vital und wild mit sportlichem Einsatz des rechten Pedals. Chopins "Héroique"-Polonaise wirkte am Schluss wie ein Anhängsel, aber so wie Stadtfeld sie spielte - nur von innen leuchtend und heldenhaft - auch wieder schlüssig.

Im Publikum saß auch der Bochumer Komponist Stefan Heucke. Er hat für Martin Stadtfeld einen 32-teiligen Variationenzyklus komponiert, der bei der Schubertiade 2017 uraufgeführt werden soll.

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