"Stahlbrammen und Pfirsiche" im Hüttenwerk

Duisburger Filmwoche

Glühende Schlacke in der Nacht. Ein Abstich roter "Lava" vor der Silhouette des Stahlwerks. Faszinierende Impressionen. Florian Pawliczek und Andy Michaelis, die in Dortmund an der FH mit Schwerpunkt "Kamera" studierten, sind nicht die Ersten, die dem Reiz solcher Bilder erliegen.

DUISBURG

von Von Kai-Uwe Brinkmann

, 06.11.2012, 16:10 Uhr / Lesedauer: 1 min
Schlote rauchen im Eröffnungsfilm der 36. Duisburger Filmwoche »Stahlbrammen und Pfirsiche«.

Schlote rauchen im Eröffnungsfilm der 36. Duisburger Filmwoche »Stahlbrammen und Pfirsiche«.

"Stahlbrammen und Pfirsiche" heißt ihr Film über Arbeit und Menschen in den Hüttenwerken Krupp Mannesmann, mit dem am Montag die 36. Duisburger Filmwoche eröffnete, die bis Samstag (10.11.) 26 Dokus aus dem deutschsprachigen Raum zeigt.

Die Schwerindustrie des Reviers hat immer schon Filmemacher in ihren Bann gezogen. Gelsenkirchen liebäugelte mit dem stolzen Etikett "Stadt der 1000 Feuer" (Imagefilm von 1951), von denen nur noch wenige lodern.

Warmherziges Porträt

Der Duisburger Hütte drohte das Aus für einen von zwei riesigen Schmelzöfen. Wer arbeitet dort? Was sagen die Menschen zu ihrem Job, was zu Krise und Flaute? "Stahlbrammen und Pfirsiche" ist keine Doku, die die Stahl-Produktion didaktisch aufdröselt.Ohne vorfabriziertes Konzept, offen für alles, gingen Filmemacher auf Entdeckung. 45 Stunden Material haben sie zu 81 Minuten eingedampft, in denen wir Leute treffen, die ihre Arbeit schätzen. Nostalgie schwingt mit, wenn der Betriebsrat von goldenen Zeiten schwärmt.Ein Paar aus dem Werk Die Kläranlage sei sein "Baby", sagt ein Arbeiter. Iris und Holger sind ein Paar, das sich im Werk traf. Er fährt Radlader, sie Lkw. Zuhause spielen sie Egoshooter im Team-Modus.

Thomas malocht auf der Hütte wie schon sein Vater. "Den Knochenjob macht keiner, bis er 67 ist", meint der 43-jährige Single, der im Grunde mit seiner Arbeit verheiratet ist.Pfirsiche wachsen auf dem Gelände "Sind nicht alle Frauen schlecht", sagt Thomas' Mutter. Menschen in Duisburg: ein warmherziges Porträt. Und die Pfirsiche? Sie wachsen auf dem Werksgelände, neben Äpfeln, Nüssen, Maulbeeren. "Man muss nur die Augen offenhalten", weiß der Betriebsrat. So wie Pawliczek und Michaelis.

Festivalkino ist das Filmforum am Dellplatz in Duisburg. Am Samstag (10.11.) um 20 Uhr werden vier Preise vergeben: Arte-Dokumentarfilmpreis (6000 Euro), 3sat-Dokumentarfilmpreis (6000 Euro), Förderpreis der Stadt Duisburg (5000 Euro) und Publikumspreis (1000 Euro).

Lesen Sie jetzt