Stallone überzeugt als Trainer eines Nachwuchstalents

Im Kino

Noch ein "Rocky"-Film, nachdem sich Sylvester Stallone in "Rocky Balboa" mehr blamiert als gut geschlagen hat? Nein, keine Angst. Der Mann ist lernfähig und hat für den neuen Streifen weise Entscheidungen getroffen.

DORTMUND

, 15.01.2016, 12:59 Uhr / Lesedauer: 1 min
Sylvester Stallone trainiert als Rocky einen afroamerikanischen Teenager.

Sylvester Stallone trainiert als Rocky einen afroamerikanischen Teenager.

Erstens ist "Creed" bloß ein Ableger der "Rocky"-Reihe: Nicht Stallone steht im Mittelpunkt, sondern ein Bursche namens Adonis Creed (gut: Michael B. Jordan), Sohn von Rockys einstigem Gegner Apollo Creed, der Dampframme mit der Stars’n Stripes-Hose.

Neuer Dreh für alten Filmstoff

Zweitens hatte Stallone den Mumm, Drehbuch und Regie aus der Hand zu geben, nämlich an Ryan Coogler, der bis dato einen Film auf dem Kerbholz hatte. Richtig so - Coogler und sein Co-Autor geben dem Stoff einen Dreh, der das Box-Drama sehr facettenreich macht.

Durchaus mit Rekurs auf den "Rocky" von 1976. Der war auch eine Ode an das schäbige Philadelphia, eine Sozialreportage, eine Ballade vom Leben kleiner Leute. Und das sind in "Creed" die Schwarzen. Teenager, die an der tristen Peripherie der Stadt auf Bikes herumdüsen. Eine Sängerin (Tessa Thompson als Bianca), die daheim an ihrem TripHop feilt und vom Ruhm träumt.

"Creed" hat einen schwarzen Boxer als Hauptfigur, dazu einen schwarzen Regisseur, der vom Dasein der Afroamerikaner erzählt. Ein "schwarzer" Fokus - bemerkenswert für Hollywood, ein Statement! Wie im echten Leben haben die Farbigen nur auf zwei Feldern etwas zu melden: im Showgeschäft und im Sport. Adonis boxt, Bianca singt. Sie werden ein Paar. Eine Liebelei steckt also auch in "Creed".

Erste Altersrolle

Stallone spielt hier die zweite Geige, das aber prima. Für seine Leistung erhielt er nicht nur jüngst einen Golden Globe, sondern auch eine Oscarnominierung als bester Nebendarsteller. Balboa trainiert Creed junior, baut ihn auf, ermuntert ihn. Eine Vater-Sohn-Beziehung. Nach 50 Minuten ein erster Kampf, zum Finale der zweite. Underdog gegen Über-Gegner, was auch sonst. Die Kamera bleibt in Schlagdistanz, Zeitlupe, Schnittfrequenz, Beinahe-K.O. sorgen für den Kick. Sogar Sentimentales findet einen Platz in diesem, jawohl, grundsympathischen Film.

 

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