Star-Dirigent Daniel Harding in Dortmund

Interview

DORTMUND Stardirigent Daniel Harding (34) ist in Dortmund. Eine Woche arbeitet er mit dem berühmten Mahler Chamber Orchestra, dessen Musikdirektor er seit 2003 ist, im Orchesterzentrum NRW und dirigiert zwei Konzerte im Konzerthaus. Julia Gaß sprach mit dem Briten.

von Von Julia Gaß

, 28.10.2009, 23:00 Uhr / Lesedauer: 2 min
Daniel Harding dirigiert in Dortmund den mit Spannung erwarteten zweiten Tristan-Akt.

Daniel Harding dirigiert in Dortmund den mit Spannung erwarteten zweiten Tristan-Akt.

Kammerorchester und Wagner - passt das? Harding: Der Name des Orchesters ist das Problem. Wir haben 2003 Wozzeck gespielt, mit 104 Musikern. Im Tristan werden es 80 Musiker sein. Das Orchester ist flexibel, wir haben einen Pool von Musikern, wer bei uns spielt, gehört zur Familie.

Kammerorchester und Wagner - passt das? Harding: Der Name des Orchesters ist das Problem. Wir haben 2003 Wozzeck gespielt, mit 104 Musikern. Im Tristan werden es 80 Musiker sein. Das Orchester ist flexibel, wir haben einen Pool von Musikern, wer bei uns spielt, gehört zur Familie.

Diesen Tristan hatten Sie zuerst in historischer Aufführungspraxis geplant. Harding: Das war ein Traum. Wagner wird wenig auf historischen Instrumenten aufgeführt. Es ist faszinieren, wie sich musikalische Traditionen verändern.

Sie haben von Wagner den Liebestod, die Holländer--Ouvertüre und zwei Wesendonck-Lieder dirigiert. Aber noch nie Wagner auf der Opernbühne. Harding: Ich bin noch jung, ich nähere mich Wagner langsam. Nach dem Tristan will ich Wagner ein Jahr sacken lassen. Aber in vier Jahren dirigiere ich meine erste Wagner-Oper szenisch. Den Holländer. Ich darf noch nicht sagen, wo.

In Bayreuth? Harding: Nein, aber als Dirigent muss man von Bayreuth träumen. Der Klang dort im Orchestergraben - das muss der Himmel sein.

Sie werden als "Dirigent des 21. Jahrhunderts" bezeichnet. Harding: Ich bin ein Dirigent, und es ist das 21. Jahrhundert. Mehr nicht. Die Beziehung zwischen Dirigent und Orchester ist anders als früher. Ein Orchester ist etwas Schöneres als eine große Gruppe Menschen. Es ist selten, dass 100 Individualisten eine Gruppe bilden. Ein guter Dirigent kennt den Wert jedes Musikers, und ich würde nie ein Orchester dirigieren, das mich nicht akzeptiert.

Wir erweitern das Repertoire, das Orchester braucht neue Perspektiven, will neue Dinge lernen. Wir wollen neue Muskeln bilden.

  • Tristan, Vorspiel und 2. Akt mit Waltraud Meier (Isolde): Freitag (30.10.).
  • Beethoven Violinkonzert mit Renaud Capucon und Strawinsky „Sacre“: Dienstag (3. 11.), beides 20 Uhr.
  • Konzerthaus Dortmund mit dem MCO und Harding. Karten: Tel. (0231) 22 69 62 00. 
Lesen Sie jetzt